Amira, Karl von
Die Grosse Bilderhandschrift von Wolframs Willehalm — München, 1904

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Karl v. Arnim

riclis Führung Urlaub nehmen. N2 ist also nach H2 zu
setzen. Was nach all dem vielleicht noch einen Zweifel
daran wecken könnte, dass wir es in N wirklich mit Bruch-
stücken desselben Codex zu tun haben, von dem H und M
herrühren, das ist das Fehlen von Buchstaben in den Bildern.
Auch auf den weggeschnittenen Innenrändern der letzteren
können Buchstaben kaum gestanden sein, weil diese Ränder
zu schmal waren. Man wird aber auf diesen Mangel kein
Gewicht legen dürfen. Denn die Anfänge der einschlägigen
Abschnitte des Gedichtes können auf verlorenen Blättern illu-
striert gewesen und dort mögen auch ihre Initialen gestanden
sein. Man wird vielmehr ruhig annehmen dürfen, dass uns
in N 1 das letzte Blatt von Lage XII erhalten ist, während
N 2 etwa der XVIII. Lage angehörte.

Damit ist nun aber der Vorrat an Bruchstücken des zer-
störten Buches, die bis jetzt ermittelt werden konnten, auch
erschöpft. Er ist kümmerlich genug, reicht aber doch aus,
um uns wenigstens eine deutliche Gesamtvorstellung von
dem Codex zu verschaffen. Es war ein Band von ungefähr
30,4 cm Höhe und 22,4 cm Breite, zusammengesetzt aus 28
bis 29 Lagen zu je 4 Pergamentbogen. Den einspaltig und
wahrscheinlich ganz von einer und derselben Hand geschrie-
benen Text zu regelmässig 30 Zeilen abgesetzter Verse be-
gleiteten ohne Unterbrechung breite Kolumnen mit kolorierten
Federzeichnungen, gemeiniglich je 3 auf einer Kolumne. Die
Wiederkehr der abwechselnd roten und blauen Initialen der
Textabschnitte erhielt die Verbindung der letzteren mit den
zugehörigen Bildern oder Bildergruppen aufrecht. Die Illumi-
nation hat wahrscheinlich nicht der Zeichner selbst ausgeführt.
Denn in N finden sich Korrekturen der Zeichnung, die von
des Malers Hand herrühren. Dreimal hat er auf 1 b fehlen-
des Zaumzeug ergänzt. Auf 2 a hat er die Stellung eines
Fusses verbessert. Die Zahl der Bilder muss sich auf rund
1380 belaufen haben, wenn der Kodex, wie wir annehmen
müssen, aus 230 Blättern bestand. Es war wohl die reich-
haltigste Bilderhandschrift, von der wir zwischen 1200 und
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