Amira, Karl von
Die Grosse Bilderhandschrift von Wolframs Willehalm — München, 1904

Seite: 231
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Die grosse Bilderhandschrift von Wolframs Willchahn. 231

Terramer bestreitet, dass sie Adam und sein Geschlecht aus
Uöllenbanden erlöst habe. Eben darum deutet Gyburg gleich-
zeitig noch auf eine Szene am Fusse ihrer Burg, wo ein Teufel
einen Menschen in den Höllenrachen hinabstösst, die helleclichc
vart, die Adams geslühte fuor um Evas Schuld. Die unmittelbar
folgende Bildergruppe (H 1 a) führt sich zwar mit der Initiale
von 221, 1 (Mines tonfes scone ich gerne) ein. Doch gehört
das erste Bild noch zum Vorausgehenden von 219, 18 an. Die
Geberden von Gyburg und Terramer sind die gleichen wie
zuvor. Aber beide zeigen jetzt auf das in Goldnimbus zwischen
ihnen schwebende Haupt Christi, weil Terramer bezweifelt,
der am Kreuz gestorbene Jesus von Nazareth habe die Höllen-
pi'orte gebrochen, und weil Gyburg erwidert, während Jesu
Menschheit am Kreuze den Tod erlitten, sei sein Leben aus
der göttlichen Stärke erblüht und habe die Gottheit der
Menschheit das Leben erworben. Am Fusse der Burg aber
hat der Zeichner den Schild Willehalms angebracht, weil
Gyburg erklärt, dem treu bis in den Tod bleiben zu wollen,
den man ,dicncstlichen such under schiltlichem dache bi
sölhem ungemache dd man den Up durch uirde zert'. Man sieht
ferner dort ein mächtiges Schliesseisen mit Kette, weil
Gyburg sich rühmt: ,von pogen (Fesseln) undc von andrem
versmiden (geschmiedeten Banden) machete ich in ledich an
allen liden.' Wie in der vorigen Szene auf Christi Haupt, so
zeigen in der nächsten (bei Kugler a. a. 0.) Vater und Tochter
auf eine zwischen ihnen schwebende Krone, weil Gyburg
ganz beiläufig einliiessen lässt, in Todjerne habe Terramer sie
gekrönt. Auf dem dritten Bilde derselben Kolumne, dem
letzten dieser Gruppe (Taf. 1) deuten die beiden auf ein zwischen
ihnen hingezeichnetes Oval, worin man ein befestigtes Gebäude
erblickt; es ist das Land Todjerne, Gyburgs Heimsteuer, worauf
sie zu Gunsten ihres früheren Gemahls Tybald verzichten will,
oder aber überhaupt eines der verschiedenen Länder, auf die nach
ihrer Aussage Tybald Anspruch erhebt. Auf der nächsten Ko-
lumne (bei Mone a. a. 0.) macht die Unterredung zwischen Gyburg
und Tybald den Anfang. Wieder schaut Gyburg, diesmal jedoch

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