Amira, Karl von
Die Grosse Bilderhandschrift von Wolframs Willehalm — München, 1904

Seite: 235
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Die grosse Bilderhandschrift von Wolframs Willehalm. 235

vollendet wurde. Die Verwandtschaft der heidelberger Bilder-
handsclirift des Sachsenspiegels aber, wenn sie überhaupt einen
sicheren Schluss zuliesse, würde auf eine sehr viel spätere Ent-
stehungszeit des Willehalm-Codex führen, seitdem wir wissen,
dass jene frühestens dem Ausgang des 13. Jahrhunderts an-
gehört. ') Jedenfalls müssen wir mit der Zeitbestimmung tiefer
herabgehen. Dazu nötigt schon die Fehlerhaftigkeit des Textes.
Eine so grosse Menge von Verderbnissen — neben einer nicht
minder grossen Menge von z. Z. nicht näher zu beurteilenden
Varianten —, wie sie die wenigen Bruchstücke aufweisen, ver-
trägt sich nicht nur nicht mit einer Art von offizieller Ab-
schrift, sondern auch schwer mit einer Abschrift, die der Ab-
fassungszeit sehr nahe stehen würde. Auch die nicht mehr
sehr festen Schreibregeln deuten auf eine spätere Zeit als die
ersten Jahrzehnte nach 1200.

Etwas genauere Schlüsse gestatten die Bilder. Unter den
Werken der thüringisch-sächsischen Malerei in der ersten
Hälfte des 13. Jahrhunderts, wie wir sie jetzt aus Haseloffs
Darlegungen kennen, und ebenso unter denjenigen vom Schlag
der Hamerslebener Bibel im Domgymnasium zu Halberstadt
oder der illuminierten Federzeichnungen im Cod. Heimst. 425
zu Wolfenbüttel würde die Willehalm-lllustration fast ebenso
isoliert dastehen wie die heidelberger Bilderhandschrift des
Sachsenspiegels. Höchstens die Zeichnung der Haare in Parallel-
linien und der überwiegende Gebrauch deckender Farben er-
innert an jene ältere Kunstweise. Dazu stimmen nun auch
kostümliche Beobachtungen. Unter den verschiedenen Formen
des flachen Dreieckschildes, die in M vorkommen, herrscht
diejenige vor, die an den geradlinigen Oberrand die rein
sphärischen Seitenränder rechtwinkelig ansetzt. Diese Form
findet sich zwar schon auf einem Hennebergischen Siegel von

Stadt Padua, auf der andern Venedig im Bunde mit Treviso. Die Feind-
seligkeiten waren so heftig, dass im September 1221 der Patriarch als
inccndiarius bezeichnet werden konnte. Kolandinus Patav. Chron. II 1
(Mon. Germ. SS. XIX 47 f.), Winkelmann Jahrb. Friedrichs II. I S. 175.
') S. die citierte Einleitung S. 17.
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