Amira, Karl von  
Die Handgebärden in den Bilderhandschriften des Sachsenspiegels — München, 1905

Seite: 206
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Der Maler könnte z. B. den Richter auf den Prozeßvormund, auf den Antworter deuten
lassen, weil der Beschauer erkennen soll, daß die Bestellung des Vormundes und das
Antwortgebot vom Richter ausgeht.

Auf allen übrig bleibenden Bildern steht die subjektiv-symbolische Natur der Gebärde
außer Zweifel. Man weist auf die bekannte in der Luft schwebende Rose D 24 b Nr. 2
(zweite Figur), 0 42 b Nr. I,1) auf Ziffern, die der Maler in die Bildfläche hineingeschrieben
D 20 b Nr. 4,2) 58 a Nr. 3, auf ein Grundstück oder vielmehr auf das Zeichen dafür D 12 b
Nr. 5 (erste Figur), 28a Nr. 3 (vierte Figur),3) 67a Nr. 1 aus eben solchen Gründen, wie
wir sie S. 180 f. kennen lernten. So weist4) aber in D 20 a Nr. 3 der Richter auch auf
die Personifikation des Windes, weil der Kämpfer in Abwesenheit seines Gegners zwei Schläge
und einen Stich gegen den Wind tun soll, in 12 a Nr. 2 auf die Repräsentanten des Heer-
geräte, der Gerade und des Erbe, weil man sie in Abwesenheit des Erben ihm ausant-
worten muß, in 13b Nr. 1 der König auf das Reliquienkästchen, weil man Gut aus der
Reichsacht eidlich zieht, in 44 a Nr. 3, 4 das Pfaffenkind auf ein Heufuder, weil dies ihm
als Buße gebührt, und aus analogem Grunde der Spielmann auf den Schatten eines Mannes,
das Kämpenkind auf das Blinken eines Schildes unter der Sonne,5) 35 b Nr. 6, 36 a Nr. 1
die dem GerÜft folgenden Männer auf eine Burg, weil sie davor geladen sind,6) D 36 a
Nr. 3, H 12 a Nr. 3 (Taf. XIII 3) der Flüchtling auf den Turm, worin er Aufnahme findet,
in D 55b Nr. 6 der Gast auf die Herberge,7) in 0 34a Nr. 1 ein Mann, der eine Kampf-
partei ankleidet, auf dem Kampfstrumpf, in H 19 a Nr. 3 (Taf. XXI 3) der Kaiser auf den
,Pfennig\ da er ,seines Bildes gewärtig' sein soll,8) in W 34a Nr. 3 der handhafte Dieb
auf den Stall, zu dem er den Schlüssel führt.9) Mehrmals läßt der Zeichner eine Figur
rückwärts außerhalb des Bildes hinaus, nämlich auf das vorausgehende zurückdeuten, bald
weil der Text mit dem Wort alstis den geschilderten Fall mit dem zuvor erwähnten ver-
gleicht D 75 a Nr. 1 (erste Figur),10) bald weil die Szene ihrem Inhalt nach zur vorigen
in einer bestimmten Beziehung steht 54 a Nr. 6 (erste Figur), 62 b Nr. 5 (erste Figur),
64 b Nr. 4 (drei Zeugen), 51a Nr. 2 (der Wende), 71a Nr. 1 (erste Figur), 71b Nr. 1
(vier Zeugen), 91b Nr. 2, 3 (erste Figur). In 25 b Nr. 6 weist der Mordbrenner auf Nr. 5
zurück, wo das Radbrechen dargestellt ist, — weil es ihm gebührt. Auf ein brennendes
Haus zurück weist ein Zeuge, der darüber aussagt 82 a Nr. 1. Auf einen Mann, der einen
Knaben an den Haaren rauft, sowie auf den Knaben zeigt dessen Vormund, der darum
klagt 35 a Nr. 2, auf die Calpurnia der Kaiser, weil sie vor dem Reich ,missebarte' D 34 b
Nr. 4, H 10 b Nr. 4 (Taf. XI 4). Oft weist eine Person auf eine andere zum Zeichen dafür,
daß sie ihr in einer bestimmten Hinsicht rechtlich gleich steht, so z. B. das Pfaffenkind

1) Die Rose selbst ist hier nur verg

2) In O 36 a Nr. 2 erscheint an Stelle des Gestus 4 der noch verständlichere Gestus 5.

3) In 0 48 a Nr. 1 Gestus 5.
*) In 0 35 a Nr. 1 Gestus 5.

3) Vgl. auch H 20a Nr. 4 (Taf. XXII 7). Mit D c. 1. stimmt 0 77a Nr. 1—3.
6) Vgl. H IIb Nr. 6 (Taf. XII 9).
1 Vgl. H 29 b Nr. 6 (Taf. XXXII 9).

8) In 0 75 a Nr. 3 Gebärde 5. In D 43 a Nr. 3 ist der Pfennig in der linken Hand Jesu vergessen.

9) In 0 50 b Nr. 3 eine mißverstandene Gebärde nach Schema 5 wie in H 29 b Nr. 6 {oben Note 7).
l0) Vgl. auch D 65 a Nr. 1 (erste Figur).
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