Amira, Karl von
Die Grosse Bilderhandschrift von Wolframs Willehalm — München, 1917

Seite: 5
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/amira1917/0005
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
Die „große Bilderhandschrift von Wolframs Willehalm5

50 Bibliotheken und Archive ergehen ließ, worin man allen-
falls ein derartiges Stück vermuten konnte. Es waren dabei
hauptsächlich die in Mitteldeutschland und seinem Umkreis
gelegenen in Betracht gekommen, nicht nur weil die Heimat
der Hs. aller Wahrscheinlichkeit nach mitteldeutsch gewesen
war, sondern auch weil die nachweisbaren Wege aller vorhan-
denen Bruchstücke nach Mitteldeutschland zurück führten.

Was nun zunächst die Rothschen Fragmente betrifft, so
besteht das eine (ehemals Mein. Nr. 548) aus einem ganzen
Blatt von 30,2 cm Höhe und 22,7 cm Breite, das andere (ehe-
mals Mein. Nr. 550) aus der Längshälfte eines Blattes, von
letzt noch 30 cm Höhe und 13,6 cm Breite mit vollständig er-
haltenem Text und innerer Hälfte der Bilderkolumne. Jede
Textkolumne umfaßt genau wie auf den älteren Münchener
Bruchstücken (M) und auf H 30 Zeilen. Damit dürfte wohl
die durchgehende Einteilung des Kodex festgestellt sein. Sie
wiederholte diejenige, die schon San Marte für die Urhs. des
Dichters angenommen hat und die auch im Parzival durch-
geführt ist, die rein graphische Einteilung, die Lachmann
dazu verleitet hat, „Strophen" von 15 Reimpaaren anzunehmen,
die aber allerdings einem Nachahmer Wolframs, Ulrich von
dem Türlin den Anstoß dazu gab, für sein Epos eine wirk-
liche Strophe von 31 Versen mit schließendem Dreireim zu
bilden. In unserer Bilderhs. freilich sind aus den dreißigzei-
ligen Kolumnen der Urhs. Textabschnitte von bald 30, bald
weniger als 30 Zeilen geworden, die sich zwar noch mit far-
bigen (rot und blau wechselnden und vom Schreiber dem Mi-
niator anbefohlenen) Initialen einführen, aber nicht mehr mit
den Kolumnen, sondern innerhalb dieser beginnen und schließen.
Die Ursache hievon lag darin, daß der Schreiber zuweilen
Verse ausgelassen, öfter aber mehr als einen Vers auf eine
Zeile gebracht hat.

Gelesen hat Roth den Text seiner Bruchstücke überall
richtig. Von ihrer Schreibweise jedoch gibt sein Abdruck kein
genaues Bild. Er hat sämtliche Abkürzungen aufgelöst und
eine moderne Interpunktion durchgeführt. Die Bruchstücke von
loading ...