Amira, Karl von
Die Grosse Bilderhandschrift von Wolframs Willehalm — München, 1917

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6. Abhandlung: Karl v. Amira

Farbenteilung, die nach Ausweis nicht nur anderer Bilderhss.,1)
sondern auch erhaltener Überbleibsel2) im 13. und mehr noch
im 14. Jahrhundert an Männerkleidern wirklich in Gebrauch
war. Aber in der Willehalmhs. kommt sie nur an der Hof-
tracht der niedern Ritterschaft, d. h. der Dienstmannen vor.
Einen blau und weiß quergeteilten Rock trägt der Marschall,
einen rot und braun gespaltenen ein Soldempfänger, unter den
übrigen Rittern nur einer einen blau und weiß geschrägten.
So auf eine bestimmte Klasse der ritterlichen Gesellschaft be-
schränkt entspricht jene Farbenteilung einer älteren, ins 12. Jahr-
hundert zurückgehenden Sitte.3) Am Anfang des 14. dagegen
hat sie, wie die Sachsenspiegelhs. und die große Liederhs. zu
Heidelberg beweisen, in die weitesten Kreise außerhalb der
Dienstmannschaft, namentlich aber in die des eigentlichen
Herrenstandes übergegriffen. Selbst Fürsten und Könige sieht
man dort in Röcken, die zwiefarbig gespalten oder geschrägt
sind. Spätestens im letzten Viertel des 13. Jahrhunderts be-
vorzugte der Herrenstand Stoffe mit eingewebten bald schmalen
bald breiten Horizontalstreifen von wechselnden Farben und
mit ornamentaler Musterung, wie sie zu jener Zeit aus der
Fremde eingeführt,4) wahrscheinlich aber auch schon in Deutsch-

x) So insbesondere des Cgm. 3900, 13. Jabrh., des Cod. Pal. Genn.
164 (Sachsenspiegel) um 1315 und des Cod. 2670 der Wiener Hofbibl.
a. 1320.

2) Ausschnitt aus einem Rock, der aus breiten Seidenbahnen von
roter und grüner Farbe zusammengenäht war, wurden schon in alter
Zeit als Schutzdecken für Miniaturen im Clm. 15713 (11. Jahrh.) fol. 14a,
38 a, 49 b, 52 b verwendet.

3) Vgl. den Schwertträger aus dem Hortus deliciarum bei Hotten-
roth a. a. 0. Taf. 3 Nr. 3. Im wesentlichen den gleichen Standpunkt
nehmen ein die Malereien im Cgm. 3900 fol. 2 b, 3 b, 5 a, 6 a.

4) Beispiele von Seidenstoffen im Germanischen Museum zu Nürn-
berg, Katalog der Gewebesammlung I (1896) Nr. 406, 412, 434, 435, 461.
S. ferner P. Schulze, Alte Stoffe Abb. 76, 84. — Ein großgemusterter
Wollstoff in Violett mit schmalen gelben Querstreifen, zu Schutzdecken
zerschnitten in Clm. 15713 fol. 31b, 32b, 36a, 37a, 40b, 45 a, 55 b, 56b,
58 a, 61a.
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