Wolfram <von Eschenbach>  ; Amira, Karl von [Hrsg.]
Die Bruchstücke der großen Bilderhandschrift von Wolframs Willehalm: farbiges Faksimile in zwanzig Tafeln nebst Einleitung — München, 1921

Seite: 17
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dem Buninge an einer stat afcfa. Die hinweisende Ge« N 1104a zeigt in allen drei Kompositionen die Unter» Taf.VH.

stikulation der beiden Figuren begleitet die zu unterstellen- redung. Jedesmal beugt sich Kyburg obigem Vers gemäß

den Abschiedsworte mit beiderseitiger Aufforderung zur in Kettenbrünne und Waffenrock, wie sie später in Ab*

Nr. 3. Aufmerksamkeit <vgl. oben Sp. 14>. _ Nr. 3 ist nur durch schnitt 226 v. 29, 229 v. 26 beschrieben wird, aus einem

den Vers vürBaz zer Tuning in ander swa veranlaßt. Fenster von Gloriete mit gleichbleibendem Zeigegestus

Rennewart nimmt ehrerbietig Urlaub von der Königin, zu dem am Fuß der Feste zu Roß haltenden Terramer.

die er nicht bei ihrem Gemahl angetroffen, also erst in Nr. 3 Seine Rüstung, das Hersenier mit dem gekrönten Spitz*

<„anderswo") aufsuchen mußte. Geistvoll läßt der Künstler heim und dem normannischen Schild, gleicht am nächsten

sie auf die neben ihr sitzende Alize deuten, obgleich der der Mauritius-Statue im Dom zu Magdeburg, v. Flottwell,

Text diese ebensowenig als mitanwesend erwähnt, wie das Mittelalterliche Bau« und Kunstdenkmäler in Magdeburg,

sich im Hintergrund haltende Hoffräulein. So kündigt er Taf. 37. Vgl. auch O.Posse, Siegel derWettiner I Nr. 3—5.

von dieser Abschiedsszene aus schon die folgende an, die In Nr. 1 vergleicht Kyburg die Weisheit und Macht des Nr. 1.

ihm wie dem Dichter viel mehr am Herzen liegt. Alizens Heidengottes „Tervigant" mit der des Aftissimus, der

Handgestus haben wir ebenso zu verstehen wie den des pofus antartiBus und den andern Sternen gap ir

Königs in Nr. 2. Die angekündigte Szene füllt foufi (Abschnitt 216 v. 5 — 7, die vielleicht noch auf dem

Taf. VI. M3b. Sie fängt mit Nr. 1 an bei den Versen (Ab« ausgefallenen Blatt standen). Darum zeigt sie auf einen

Nrl' schnitt 213,9 — 12): diu junge Hüning inne sunder großen zehnzackigen Stern, der sowohl den polus antarticus

was under ßoumen an eynem gras,- dar Begunde er wie die „andern" Sterne repräsentiert. Am Fuß des Burg«

durcß urfoup gen unde eyne wife vor ir sten. Renne« berges strömt ein Fluß, da im weiteren Verlauf ihrer

wart steht mit der Gebärde der Ehrerbietung vor der Auseinandersetzung <v. 18 f.) Kyburg von „Altissimus"

Königstochter, die, wie es der Text verlangt, unter Bäumen rühmt, daß er af sin dinc so spaßet mit vfuzze ursprinc

auf einem Rasen sitzt. Ihr Redegestus zeigt an, daß sie der Brunnen usw. Terrameres Handgebärde gibt sein

spricht {si Bfagete sine manege not die er in Trancricße aufmerksames Zuhören zu erkennen <vgl. oben die An«

Bete er fitenj darnacB Begunde si in Biten... du soft mit merkung zu Taf. III Nr. 2). — In Nr. 2 verharren Vater Nr. 2.

Nr. 2. minem Busse varn usw.). Nr. 2 illustriert den Vers 25: und Tochter in der gleichen Haltung wie in Nr. 1. Kyburg

diu maget stunt uf, der Bus gescßacß. Das „Gras" setzt ihre Rede fort, indem sie auf das in doppeltem Nimbus

ist von jetzt an nicht mehr angegeben, weil der Text nicht erscheinende Angesicht Gottes (Christustypus) deutet:

mehr davon redet. Nicht klar ist die Bedeutung der Figur, swaz mir durcß den got gescßißt, der des affes Bat ge°

von der links noch ein Stück gerettet ist und die auf das waft, gein dem scßaden Bin ic£ Baff, der mac micBs wof

Liebespaar deutet. Ist es eine weibliche Gestalt, so nimmt ergetzen usw. Über die Darstellung Gottes unter dem

der Zeichner mit ihr einen Teil der Verabschiedungen vor« Christustypus in der frühmittelalterlichen Kunst s. Didron,

weg, die er in Nr. 3 beendigt. Zunächst aber sieht man in Iconographie chretienne 200 ff., 218, 220, H, Otte, Hand«

Nr. 3. Nr. 3, wie Rennewart — der seine ehrfürchtige Hand« buch der kirchlichen Kunstarchäologie51 518. — In Nr. 3 Nr.3.

haltung keinen Augenblick außer acht gelassen — ir neic hält Kyburg mit dem Aufmerksamkeitsgestus der rechten

(= sich ihr neigte). Da der Künstler nicht gleichzeitig auch Hand ihrem Vater vor: ir verfieset micßef arBeit, du vater

den Segenswunsch ausdrücken konnte, womit Renne« unde mine mage, daz ir fip unde ere en wage fat durcß

wart abgeht Cder Bceste got ßeßüte iuwer werdecficßen Tißafdes rat____Da sie diesen gleichsam als hinter ihr

gütej, so dichtet er eine Erwiderung dieses Wunsches anwesend denkt, weist sie mit dem linken Zeigefinger über

durch die Jungfrau hinzu, indem er sie sehr entschieden ihre rechte Schulter hinter sich. Terramer aber beginnt seine

die rechte Hand mit der Segensgebärde erheben läßt. Vgl. Gegenrede: acß icß vreuden armer man, daz icß

F. X. Kraus, Realencyklopädie der christlichen Alter« sofcß Bint ie gewan. Sein Trauergestus ist demnach ohne

tümer II 751 f. und meine Abhandlung über die Hand« weiteres verständlich. Auf

gebärden S.'202. Sicherlich die Schlußverse den andern N 1104b bleibt die rechte Bilderhälfte im allgemeinen die« Taf. VIII.

vrouwen wart oucß genigen, gein in sin urfoup selbe wie auf N 1104a Nr. 1, nur daß in Nr. 2,3 Kyburgs

fließt verswigen veranlaßten die Beigabe einer Frauen« linke Hand wieder eine hinweisende Gebärde auszuführen

gestalt links, die mit der entsprechenden in Nr. 2 die Mehr« bekommt. Auch Terramer behält den Aufmerksamkeits«

zahl ausdrücken hilft. gestus seiner rechten Hand bei. Aber in Nr. 1 deutet er Nr.l.

Übergang. ßjs zum nä(^st:en Bruchstück ist nur ein Blatt ausgefallen. gleichzeitig mit der linken rückwärts auf ein Götzenbild,

Es enthielt zunächst eine Schilderung von Willehalms Zug da er in seinem Jammer fortfährt (Abschnitt 217 v. 12 ff.)

nach Orange und der Stimmung, worin er sich dabei be« daz afso ßerzenfieße an siner sa>fde Ban verzagen und

fand (Abschnitt 214), dann von der Lage, wie sie sich in sieß den goten wif entsagen. Zu Füßen des Götzen«

der Zwischenzeit für Kyburg gestaltet hatte, diu sefße bildes kommt noch eine hinweisende rechte Hand zum

dicBe <= oftmals) wapen truc. Vergeblich stellte während Vorschein. Die Figur, der sie angehört, ist weggeschnitten,

einer Waffenruhe ihr Vater Terramer Überredungsversuche Vermutlich sollte sie die Personen vertreten, auf die sich

mit ihr an (Abschnitt 215f>. Bei einem solchen beginnen Terramer beruft (v. 21—25): .... ungerne icß uf dinen

die Nürnberger Fragmente. Der Text ist weggeschnitten. scßaden vuor, unz mießs Bi unser e Beswuor der Baruc

Er umfaßte Abschnitt 216 etwa von v. 15 ab bis 218 v. 20. (= der Kalif) und diu ewarten <— Priester) sin,- diu
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