Eike <von Repgow>  ; Amira, Karl von [Hrsg.]
Die Dresdener Bilderhandschrift des Sachsenspiegels (Band 2) — Leipzig, 1925

Seite: 8
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tung, von der hier die meisten Bilder infolge des schon erwähnten
Bausverfahrens betroffen wurden. Sie erscheinen im Gegensinn,
müssen also, um den parallelen Zeichnungen in den andern Hss.
vergleichbar zu werden, immer erst aus dem Negativ ins Positiv
übersetzt werden, wobei jedoch die Möglichkeit offen zu halten ist,
daß die Bausen nicht unverändert auf die Blätter von O übertragen
wurden. Man kann sich also nicht darauf verlassen, daß aus O
eine in jeder Hinsicht getreue Vorstellung der zweif ellos sehr guten
Hs. N zu gewinnen sei.

II

BÜBGEBLICHE TBACHT
Kostüm- ßej (jer fast unübersehbaren Menge der Figuren wird man die

geschichtliche . ,

Bedeutung des er giebigsten kulturgeschichtlichen Aufschlüsse über die Erschei-
nung der Menschen während der ersten Hälfte des 14. Jahrhun-
derts erwarten, da man im allgemeinen doch annehmen darf, daß
der Gewohnheit ihrer Zeit folgend die Illustratoren nicht wesent-
lich vom Kostüm dieser Zeit abgewichen sind.

In der Tat sind die kostümkundlichen Aufschlüsse so reich, daß
wir nicht nur bürgerliche Trachten einerseits und Standestrachten
anderseits unterscheiden, sondern auch den Wechsel der Unter-
scheidungsmerkmale durch den Wandel der Jahrzehnte hindurch
verfolgen können. Das gilt freilich nur von den Hauptsachen. Mit
allem Nebensächlichen sind die Künstler sparsam, weil der Zweck
der Illustration strengste Sachlichkeit erheischt. Wir beschränken
unsere Beobachtungen vorerst auf die gemeine

bürgerliche Tracht im täglichen Leben.
Der Rock Dasjenige Kleidungsstück, das stets am meisten in die Augen
fällt, ist der Rock. Er ist mit engen Ärmeln bis zum Handgelenk
versehen und reicht bei Frauen bis auf den Boden, bei Männern in
den Hss. H und O gemeiniglich bis zu den Unterschenkeln, oftmals
sogar über diese hinab. S. z. B. TD. IX 1, 3, 7, 8, XI1, 2, 6—8, XII 7,
XIV 7, 8, XV 1, XVI 4—10, XVII1, 3, 8 usw., sowie die Faks. an den

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