Eike <von Repgow>  ; Amira, Karl von [Hrsg.]
Die Dresdener Bilderhandschrift des Sachsenspiegels (Band 2) — Leipzig, 1925

Seite: 27
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findung des Illustrators. In H besteht sie in einem bis zu den Füßen
reichenden, beinahe ausnahmslos lichtgelben Rock, roten Bein-
lingen und einer gelben gugelartigen Kopfbedeckung1), um deren
Zipfel sich allenfalls noch das Schapel legt, TD. IV 3, 4, 5, V 8,10,
XXI 9, XXIII 9, XXV 1, XXX 10 (nebst Farbentafel Nr. 9, und
Kopp a. a. 0.1118). 0 scheint, soweit sich nach den paar dort er-
haltenen Federskizzen (79a 5, 82b 4) urteilen läßt, dem gleichen
Muster zu folgen wie H. Nicht so DW. Hier erinnert daran höch-
stens die Form der Kopfbedeckung und die roten Beinkleider.
Dagegen ist schon jene nicht wie in H immer, sondern nur in der
Regel gelb; zweimal (D 43b4, 48b 3) ist sie rot. Der Rock ist
nicht nur in der gewöhnlichen Weise verkürzt, sondern auch von
wechselnder Farbe. Ist er hellbraun, so kann dies noch als
schmutziges Gelb verstanden werden (61b 4, 62a 3, 4, bl, 86b 7,
87b 2, 91a 5, b 1, 2, 3, 6, 92 a 1,2). Öfter jedoch ist er dunkelblau
(43b 4, 48b 3, 54a 2, 66a 1,2, 4, b 1, 2, 67a 4, 68a 3, b 2, 77a 2, 83a 4,
85 a 3), oft, vornehmlich im letzten Viertel des Werkes, grau (70 a 3,
72b 2—4, 73 a 1—3, 74a 3, b 3, 85 b 3, 86 a 2, 3, 4, 87b 1,3, 89b 2),
einmal sogar grün (62 a 2), was der oben angedeuteten Ausnahme
in H (Kopp 177) entspricht. Daß die fürstliche Kopfbedeckung
vom Zeichner der Hs. X aus der großen Willehalm-Hs. (Willeh.
Taf. XIV, s. oben 22) entliehen ist, habe ich in meiner Abh. I über
diese Hs. 228 f. gezeigt.

Eine Standeskleidung der Kurfürsten kennt die Ssp.-Illustration Kurfürst?
nicht. Die geistlichen treten im Ornat des Bischofs auf, die welt-
lichen in D und H in der gewöhnlichen Tracht von Edeln, die
Hofämter verrichten (D 47 a 1, 2, H 21 a 1, 2, TD. XXIII 4, 5, Ko pp
1105), in 0 78b in gegürteten langen Röcken und Mänteln, die
über der Brust offen sind. Eine den Kurfürsten eigene Tracht ist
überhaupt erst im 14. Jahrh. aufgekommen2). Am frühesten mit
Sicherheit lehrt sie uns der Cod. Balduineus zu Koblenz kennen,

1) K.J. Weber in Tod. XXIIf hält sie irrtümlich für einen „Herzoghut".

2) A. M. Boerger, Belehn. 109, der „die Entstehung der kurfürstlichen besonderen
Kleidung mit der Entstehung der Erzämter in Verbindung gebracht" wissen will. Dar-
nach hätte es schon im 13. Jahrh. einen besonderen Kurfürstenornat geben müssen.

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