Eike <von Repgow>  ; Amira, Karl von [Hrsg.]
Die Dresdener Bilderhandschrift des Sachsenspiegels (Band 2) — Leipzig, 1925

Seite: 31
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/amira1925bd2/0047
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
rindsledernen Schuhen sollte der Bauer gehen. Vgl. auch Seifried
Helbling II v. 71f., J.Grimm, RAA I 470. Der Rock sollte bis zu
den Knien reichen, nicht mehr als vier Keilstücke und vorn und
hinten überhaupt keines haben. Nicht in allen Stücken entspricht
diesen Forderungen die Bauerntracht der Bilderhss. H kennt ins- ^ H und 0
besondere keine spezifische Bauernfarbe. Es kommen sogar Röcke
in mi parti und mit Quer- oder Schrägstreifen vor (Beispiele bei
Kopp 126 und in TD. Farbent. Nr. 17). Aber im allgemeinen
scheint ein gegürtetes Gewand von lichtrötlicher oder gelblicher
Tönung bevorzugt, wenn man in jedem heerschildlosen Mann einen
Bauern sehen will (Hla3—6 nebst Kopp 64, 7, 8a5, b 1, 4, 9b 4,
Hb 7, 19b 2, 23a 4, 24b 2). Gelblich ist insbesondere des Bauer-
meisters Rock (H 23a 4 nebst TD. Farbent. Nr. 14, 26b 4, 5, 28b 2).
Sicherere Kennzeichen seines Standes sind jedoch in H (auch in
O 16 a 1) die weißen Bänder oder Riemen, womit der Bauer seine
Unterschenkel von den Fußgelenken an aufwärts bis zu den Waden
hin ringförmig umwickelt (K.J.Weber in TD. Sp. XXIII, Beispiele
bei Kopp a. a. O. und in TD. Farbent. Nr. 14, 17). Solche Binden,
nur nicht gerade immer weiß, sind auch durch andere Monumente
vielfach bezeugt, z. B. im Psalterium des Landgrafen Hermann und
im Gebetbuch der hl. Elisabeth, beide vor 1217 (bei Haseloff,
Malerschule Taf. I 4, II 6, XVI 3, XVII 33, 35, XVIII 36, 39,
XXVI 56), auf dem Wandgemälde der Friesen im Dom zu Münster
(bei Janitschek, Malerei 152/153), im Ambrasser Kalendar bei
A.Schultz, Deut. Leben Taf. IV, V, Louandre, Arts sompt.
Taf. 95, 96, 76, 77, Ms. 78 A 7 des Berliner Kupferstkab. fol. 7 a,
Cod. Aug. 152 zu Wolfenbüttel fol. 66 b. Allein es besteht Verdacht,
daß diese Beinbinden nicht wirklich im Gebrauch waren, sondern
nur einem Schema alter künstlerischer Tradition entsprachen.
Denn schon auf altchristlichen Hirtendarstellungen kommen sie
vor, z. B. auf einem Wandbild in der Katakombe von St. Agnese in
Rom (A.Springer, Handb. d. KunstgeschA II, Fig. 5, s. ferner
Mosaik bei J.Wilpert, Mosaiken Taf. 41, Gemälde bei R.Gar-
rucci, Storia delV Arte CrisL, Tav. 28, 51, 54, 239.

31
loading ...