Eike <von Repgow>  ; Amira, Karl von [Hrsg.]
Die Dresdener Bilderhandschrift des Sachsenspiegels (Band 2) — Leipzig, 1925

Seite: 33
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sehe Bauer, dagegen in grünen Schuhen und weißen Beinlingen, die
er mit lichtroten Binden spiralisch umwickelt hat wie die Bauern in
der Maness. Liederhs. f ol. 273 a (K r a u s, Taf. 92) oder die Bergleute
aus den Freiburger Glasgemälden bei Hottenroth a. a. O. Fig. 90
Nr. 5 und in SchauinslandXKlX (1904) 104 oder der Henkersknecht
im Cod. Cim. M. 163 (13.Jahrh.) fol. 10 (Anz. /. Kunde d. deut.
Vorz. 1858, S. 339). In D 50a 4, 5, 50b 1, 51 a 1, 2 trägt er einen Rock
in geteilten Farben, gelbe Beinkleider und ausgeschnittene Schuhe,
nicht aber die spiralischen Beinbinden. Eine deutsche Bäuerin dar-
zustellen nimmt keiner der Illustratoren Anlaß. Hingegen der Wen-
din gibt H 25 al (nebst Farbent. in TD. Nr. 23), 2 einen bis über
die Füße reichenden gegürteten Rock von hellgelber Farbe, eine
weiße Kopfbedeckung von unbestimmter Form (auf der angef.
Farbentafel fälschlich gelb!) mit verschlungenen gelben Bändern
und schwarze Schuhe, D 51 a 1, 2 einen ungegürteten schleppenden
Rock von blauer Farbe und eine weiße, den ganzen Hinterkopf um-
schließende Haube mit darüber sich kreuzendem Gebände.

Auffällig ist eine Figur in O 21 a 1 zu dem Landrechtstext I 30:
ein barfüßiger Mann mit kurzem Haarschnitt und Beinbinden. Ich
kann ihn nur als Vertreter eines fremden Stammes, nicht als Ver-
treter eines bestimmten Berufs auffassen, was an der angeführten
Stelle keinen Sinn hätte. Freilich exemplifiziert der Text den
Fremdstämmigen (inkumen man) auf einen Baiern oder Franken
oder Schwaben. Doch werden diese in den Bilderhss. niemals
durch Bauern repräsentiert. Ich vermute daher in dem Dargestell-
ten einen Wenden, auf den der Haarschnitt am besten paßt. In
O 85 a 4, wo man ihn zu erwarten hätte, kehrt allerdings der
charakteristische Haarschnitt nicht wieder. Das kann jedoch durch
die Technik der Zeichnung verursacht sein. Die Beinbinden des
Wenden müssen schon in X vorhanden gewesen sein, und wenn
U. Kopp, I 123 und K.J.Weber, TD. Sp. XXIV meinen, daß
diese gewundenen Binden nur auf den Wendennamen an-
spielen sollten, so wäre ein solcher Witz dem Erfinder des Bilder-
werks schon zuzutrauen. A. M. jedoch Mone in TD. Sp. XX.

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