Eike <von Repgow>  ; Amira, Karl von [Hrsg.]
Die Dresdener Bilderhandschrift des Sachsenspiegels (Band 2) — Leipzig, 1925

Seite: 41
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wem er es zu tun hat. Zum Narrenkleid gehört ferner kurzer
Schnitt des Haupthaars (H ey n e a. a. 0.170) wie man ihn deutlich
in D sieht: H zeigt statt dessen nur ungeordnetes Haar. Zur Wehr
gegen Spötter dient dem Toren in D ein Schlegel, der beweglich
an einem Stiel hängt, in H zu einem hammerartigen Holzgerät
verunstaltet ist, der Vorläufer des späteren Schalksnarrenkolbens
(Heyne a. a. 0.).

6. Rechtlich geordnete Trachten überliefern vielleicht noch ein Fahr^nd

° Weib ui

paar Stellen in H und D, nämlich 20 a 5 (TD. XXII 9) und D 44 a 5. Amye
Der Text spricht von Notnunft, die einer begeht an varnden wiben
und an seiner amyen. In H 20 a 5 trägt die erste (r. stehende) weib-
liche Figur außer dem Gebände einen langen und gegürteten gel-
ben Rock, auf der Brust aber als Abzeichen ein gleicharmiges rotes
Kreuz in einem kreisrunden schwarzen Feld. Die zweite weibliche
Figur, die eben im Begriff steht, den Vergewaltiger abzuwehren,
trägt außer dem Gebände einen langen grünen Rock und kein Ab-
zeichen. Auf dem entsprechenden Bilde in 0 77 a 4, das keine Far-
ben gibt, fehlt das Abzeichen überhaupt. Ebenso in D 44 a 5, wo die
r. allein dastehende Frau einen Schleier über dem Gebände, einen
grünen Rock und in der 1. Hand jenen Goldreif trägt, der sonst
die Morgengabe symbolisiert, während die in der Abwehr Befind-
liche in ein goldenes Gebände und einen grauen Rock gekleidet
ist (das entsprechende Bild in W s. bei Grupen, Teut. Alterth.
111). Mit Grupen nun halte ich das Weib im grauen Rock und
goldenen (= gelben?) Gebände für die Fahrende, die Inhaberin
der Morgengabe dagegen nicht für die Ehefrau des Notzüchters,
sondern für seine amye (s. meine Bemerkgg. zu der Stelle). Ander-
seits erblicke ich mit K.J.Weber in dem gelb gekleideten Weibe
der Hs. H die Fahrende, in dem grün gekleideten die amye. Ich
nehme also an, daß entweder der Illustrator von H oder der von D
die beiden weiblichen Figuren verwechselt hat. Unter dieser Vor-
aussetzung erklärt sich zunächst das so auffällige goldene Gebände
in D. War es in der Vorlage Y gelb, so meinte der Maler von D es
vergolden zu müssen. Gelb aber war das Gebände, das gewisse

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