Eike <von Repgow>  ; Amira, Karl von [Hrsg.]
Die Dresdener Bilderhandschrift des Sachsenspiegels (Band 2) — Leipzig, 1925

Seite: 44
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Weerth 133—139, Hottenroth 473f. Die Grundform dieser
Krone geht bis auf K. Konrad I. zurück. S.sein Siegel bei Posse,
Deut. K. I Taf. 6 Nr. 4. Demselben Schema, das auf Siegeln'bis in
die Zeit unsres Bilderwerks wiederkehrt, schließen sich auch seit
dem 11. Jahrh. die Grab krönen an. So die Konrads IL, Philipps und
insbesondere die Grabkronen Heinrichs IV. und V. zu Speier und die
der Königin Anna, der Gemahlin Rudolfs I. (f 1281), die jetzt das
Berliner Kunstgewerbe-Mus. (Schrank 375) bewahrt (abgeb. bei
Hefner, Trachten Taf. 21). Selbst an so erweiterten und über-
reich ausgestatteten Kunstwerken wie der um 1200 gefertigten Co-
rona Spinae Domini zu Namur (abgeb. in den Ann. de la Soc.
Archeol. de Namur IX pl. 1) und der etwa 150 Jäher jüngern Reli-
quienkrone Heinrichs d. H. aus Bamberg, jetzt in der Münchener
Schatzkammer C. 73 (abgeb. bei v. Schausz , Die Schatzkammer
des baier. Königshauses I, E. Bassermann-Jordan und M.
Schmid, Der Bamb. Domschatz Nr. 10, Hottenroth Taf. 13)
bleiben immer als die wesentlichen Bestandteile des Typus erkenn-
bar der Kronreif und die Lilien. Die Lilie ist das Friedenszeichen
(Bd. I, Einleitg. 27, Stab 122f.), das dem deutschen, d.h. dem ost-
fränkischen König ,ebenso gebührt wie dem französischen, d. h.
dem westfränkischen König. Die Künstler freilich waren dieser
Symbolik nicht immer eingedenk und haben daher aus den Lilien
zuweilen romanisch stilisierte Akanthusblätter gemacht, wie z.B.
auf den Standbildern am Fürstenportal des Bamberger Doms. Den
romanischen folgten nachmals gotische, wie auf den Grabplatten
der Erzbischöfe Siegfried von Eppstein und Peter v. Aspelt zu
Mainz oder auf dem Bildnis K. Heinrichs VI. in der Maness. Hs.
Die Zeichner der Ssp.-Bilcler nun wollten die deutsche Königskrone
wiedergeben und nur sie, wie auch die Maness. Hs., während der
Cod. Balduineus die Kaiserkrone durch den Bügel von der Königs-
krone unterscheidet. Von ihr hatten jedoch jene Zeichner nur eine
höchst mittelbare Kenntnis. Der Zeichner von H hat die Lilien
bis zur Unerkennbarkeit in weit ausladende Zacken und Bögen
verzerrt (Beispiele in TD. Farbentafel Nr. 3, 4 und bei Kopp 66,

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