Eike <von Repgow>  ; Amira, Karl von [Hrsg.]
Die Dresdener Bilderhandschrift des Sachsenspiegels (Band 2) — Leipzig, 1925

Seite: 60
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oder gelbliche, mitunter auch grüne Beinlinge kommen. S. TD.
Farbent. Nr. 16 und D6b2, 16 a 5, 18 a 2, 4, b 2, 20a 2, b 4, 5, 21b
1,2,5, 26a 4, 30a 5, 46a 5, b 1—4, 47b 4, wo jedesmal die Unter-
schiede der Farbentöne gut zu erkennen. In O dagegen ist, soweit
die Hs. Farben andeutet, der kurze und vorne sich öffnende Rock
r. einfarbig, 1. aus breiten Querstreifen von verschiedener Farbe
zusammengesetzt (47a 1,2). Die Beinlinge sind, wie aus 17a 1 zu
ersehen, spiralförmig mit Binden umwunden, womit wohl daran
erinnert werden soll, daß der Fronbote aus den „Pfleghaften", also
aus dem Bauernstand gewählt wird. Vereinzelt ist der Fronboten-
rock in D 4a 6 (Beil. zu Taf. 7) ganz aus krapprot und grün ge-
schacht. Ich weiß keine Erklärung dafür. Vielleicht hat erst der
Künstler von D, durch den Text angeregt, die Figur des Fronboten
dort hineinkomponiert und da ihm bis dahin seine Vorlage kein
Muster vor Augen gestellt hatte, das Kostüm selbständig erfunden.
Das ist umso wahrscheinlicher, als auch auf dem unmittelbar vor-
ausgehenden Bild der Schöffenbaren in D im Vergleich zu 0 ein
selbständiger Eingriff dieses Bearbeiters wahrscheinlich geworden
ist (s. oben 58). Gemäß Ldr. III 56 § 2 führt der Fronbote weder ein
Schwert, noch eine andere „Waffe". Anders Liegn. Hs. I 491 a, wo
der Fronbote, wenigstens beim peinlichen Gericht, sich auf ein
Sein Attribut Schwert stützt. Ein Attribut aber, wodurch sich der Fronbote von
jedem andern Beamten auf den ersten Blick unterscheidet, ist die
Peitsche in seiner Hand, worüber ich mich verbreitet habe in
Stab 76. Zu den dort in N. 5 gegebenen Belegen aus H und D füge
ich jetzt noch aus O 17a 1 (hier in den Anmerkgg. zu D 9b 5, ferner
36 a 2, 3, 47 a 1,2, 80a 1—4, 81b 1). Auch in der Gerichtsszene der
Steinb. Hs. 85 b erhebt der Fronbote die Peitsche, während im
übrigen seine Erscheinung wesentlich von der in H, D und O
abweicht. A.a.O. habe ich versucht, eine Erklärung für dieses
merkwürdige Attribut ausfindig zu machen (Rezeption der slavi-
schen gila). Es konnte nur mit Vorbehalten geschehen und auch
jetzt bin ich nicht in der Lage ein besseres Ergebnis als damals zu
bieten. In der Liegn. Hs. 1491 a entbehrt der Fronbote der Peitsche.

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