Eike <von Repgow>  ; Amira, Karl von [Hrsg.]
Die Dresdener Bilderhandschrift des Sachsenspiegels (Band 2) — Leipzig, 1925

Seite: 61
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Bestimmte Farben und zwar gerade Mehrfarbigkeit der Amts- s°°*
kleidung des Fronboten haben sich in verschiedenen Gerichten
frühzeitig eingebürgert. Allgemein verbreitet war Teilung der Röcke
und Beinkleider in die Standesfarben der schweizer Länder und
Städte, so z. B. nach des älteren Diebold Schilling Berner Chronik
in der Stadtbibl. zu Bern III 44a, 47b (Fehr Nr. 25, 26), 116 so-
wie nach der Luzerner Chron. des jüngern Schilling 216, 275
(Fehr 59, 61, 63, 95), 87a, lila, 122b, 124a, 128, 129b, 142b,
154b, 257 a, 314b, 71b, 65 a, 134 a. S. auch die Statuette des Waibels .
an der Treppe im Baseler Rathaus (Hottenroth 595 Nr. 5).
Mäntel mi parti in den Standesfarben tragen die schweizerischen
Standeswaibel zum Teil noch heute. Möglicherweise hängt auch
die Farbenbuntheit der Fronbotenkleidung in unsern Bilderhss.
mit etwas Derartigem zusammen. Über den ganz in Rot gekleideten
Hamburger Fronboten beim Straßenrecht s. Zschr. d. Savigny-
Stifig. XXXIX S.312.

Der Fronbote ist in den Bilderhss. das einzige Vollzugsorgan mit Scharfrichter
einer Amtskleidung. Bei den Scharfrichtern und ihren Gehilfen,
die oftmals vorkommen, läßt sich eine sich auch nur einigermaßen
gleichbleibende Tracht nicht feststellen. Eine solche scheint erst
seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrh. aufzukommen. In dem, aller-
dings französischen, Legendär des Clm. 10177 (14. Jahrh.) pflegt
der Scharfrichter in einem mennigroten Rock und schwarzen Bein-
kleidern seinen Dienst zu tun, — in des älteren Schilling Erlacher
Hauschronik zu Bern 347 a in mi parti (schwarz-rot) mit gelbem
Galgen am 1. Oberarm (ein zugehöriger Mantel im Histor. Museum
zu Bern Nr. 498), — in den Enthauptungsszenen der Passionalien
von Sorg 1478, 1482, Koberger 1488, Bämler 1495 (sämtlich kolo-
riert in der Staatsbibl. zu München).

B) Kirchliche Amtstrachten.
1. Den Ornat des Papstes behandelt nur D einigermaßen sorg- Der PaPst
sam, wenn auch freilich nicht in jeder Beziehung richtig. Kennt-
lich ist er dort wie auch in H und O an der Tiara, die er, abwei- seine Tiara

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