Eike <von Repgow>  ; Amira, Karl von [Hrsg.]
Die Dresdener Bilderhandschrift des Sachsenspiegels (Band 2) — Leipzig, 1925

Seite: 65
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die Regel wird festgehalten, wonach die Farbe des geistlichen Klei-
des nicht geteilt sein darf.

3. Archidiakon und Erzpriester treffen wir als Vorsitzende^„priester
des Sendgerichts bei Ldr. I 2 § 1 an, jenen in der Person des Dom-
propstes in D 4a 4 und O 7a 2 (bei Spangenb erg a. a. O. tab. VI),
diesen ebenfalls in O. S. meine darauf bezüglichen Anmerkungen
im besondern Teil. Der Archidiakon unterscheidet sich in D von
andern Geistlichen nur durch den blauen Mantel, den er über
krapprotem Rock trägt, dagegen in 0 durch die Stola, deren r. Ende
er über den 1. Arm wirft, d. h. da der Kopist die Zeichnung im
Gegensinn gibt, er wirft das 1. Ende über den r. Arm. So tragen auch
die bei Hottenroth Fig. 116 Nr. 7,14 abgebildeten Herrscher,und
ähnlich die als Diakone dargestellten Engel im Hamburger Stadt-
buch von 1301 (Die Bilderhs. des Hamb. Stadtr. Taf. 1) ihre Sto-
len. Der Künstler von X scheint an die stola transversa gedacht zu
haben. Vgl.Du Cange s.w. stola, orarium und J.B.Thiers, De
stola (1674) 174, 177, 181, 228, 229, 237, 255. Daß der Sendrichter
bei seiner Amtsverrichtung die Stola anzulegen hatte, ist ander-
weitig bezeugt, Koeniger, Quellen, z. Gesch. der Sendger. 138. Es
muß deswegen allerdings auffallen, daß in 0 zwar der Archidiakon
in der Stola fungiert, nicht aber auch der neben ihm sitzende
Geistliche, in dem wir doch wohl den Archipresbyter erkennen
sollen. Vermutlich war die entsprechende Figur in der Vorlage
von N; nicht sitzend, sondern wie in D hinter dem Archidiakon
stehend, also nicht in richterlicher Funktion, und demgemäß ohne
Stola zu sehen, vielleicht auch nur als Begleiter des Archidiakons
gedacht. Beachtet werden muß, daß an diesem wirklichen oder
vermeintlichen Archipresbyter über dem Halsausschnitt seines
langen und faltenreichen Gewandes ein Humerale zum Vorschein
kommt. Daraus ist zu schließen, daß er und dann doch wohl auch
der Archidiakon in N mit dem Chorhemd (superpellicium) beklei-
det war, worüber er die Stola zu legen hatte. S.Koeniger a.a.O.
In D 54b 3 trägt der „geistliche Richter" über rotem Rock ein wei-
ßes Chorhemd, in H28b3 (TD. XXXI 5) eine Alba.

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