Eike <von Repgow>  ; Amira, Karl von [Hrsg.]
Die Dresdener Bilderhandschrift des Sachsenspiegels (Band 2) — Leipzig, 1925

Seite: 69
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„Krönlein" die Stelle des Speereisens ein, in D sehr mißglückt und
kaum wahrzunehmen, deutlich in O, wo es (in Projektion) die
Gestalt einer dreizinkigen Gabel hat. Vgl. den Cod. Balduineus
bei Irmer, Romfahrt Taf. 34 (Essenwein a.a.O. LXV 2) und
die Maness. Hs. bei Kraus Taf. 5, 25, 77, 85, 131 und darüber
A.Schultz a.a.O. II 26, 127. Eine Brechscheibe bemerkt man
nirgends, was doch dafür spricht, daß sich dieser Faustschutz wäh-
rend der ersten Hälfte des 14. Jahrh. nur langsam verbreitet hat.
S. darüber einerseits Boeheim, Waffenkunde 325, anderseits v.
Oechelhäusera. a. 0. 391. Der Lanzenwimpel (franz. gonfanon,
Du Cange s.v. Guntfano) ist in unseren Hss., wie es scheint, ge-
radezu vermieden, obgleich er seit dem Früh-MA. bis ins Spät-MA.
fortwährend in Gebrauch war, wofür jedes größere Siegelwerk
reichliche Belege liefert. Die Lanzenfahne hätte versehentlich mit
der ihr ähnlichen Lehensfahne, deren die Künstler oft genug be-
durften, verwechselt werden können. Sie haben daher lieber auf
sie verzichtet.

Die Armbrust als Kriegswaffe finde ich in der Hand eines Die Armbrust
Ritters nur einmal, in H 13b 6 (TD. XV 6), O 66 a 3. An der entspre-
chenden Stelle in D 37 b 6 hält der Reiter anstatt der Armbrust das
symbolische Friedenszeichen, die Lilie empor. Die Zeichnungen
in H und 0 lassen nur Säule, Bogen und Sehne erkennen und be-
schränken sich auf dieses Schema, so daß man von der Konstruk-
tion des Schießgewehres keine Vorstellung bekommen kann. Außer
den beiden angeführten Stellen zeigt noch D 70b 3 eine Armbrust
hinter der Figur eines Vassalien. Hier ist auch der Abzugsbügel
sichtbar.

2. Angriffswaffen des Fußvolkes.
Wir lernen sie beinahe nur aus den Bildern zu Ldr. II 71 §§ 3, 5 ^SSE
kennen, nämlich Hllb6, 12a 1,2 (TD. XII 9, XIII1, 2), D35b6,
36 al, 0 63 a 1,2, b 1,2. Die Waffen, womit dort die „Buren" und
die „guten Knechte" ausgerückt sind, bestehen aus Spießen, Gläven
und einer eigenartigen zum Hieb wie zum Stich bestimmten
Stangenwaffe, die ich als Spitzkolben bezeichnen möchte. Außer

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