Eike <von Repgow>  ; Amira, Karl von [Hrsg.]
Die Dresdener Bilderhandschrift des Sachsenspiegels (Band 2) — Leipzig, 1925

Seite: 73
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Helme wirklich gab (0. T. v. H ef ner, Handb. der Heraldik 109).
Nicht immer, insbesondere nicht in H, ruht der Topfhelm auf den
Schultern seines Trägers, sondern auf dessen Scheitel, so daß sein
Hals ungedeckt bleibt. So unglaublich dies wegen der Schwere
des Helms scheinen mag, es wird doch durch verschiedene Siegel
aus der Zeit der Ssp.-Bilder bestätigt (Seyler a.a.O. Fig. 82, 91,
126, 132, 133, 144, 179, 213—215, 224, 225, Essenwein a.a.O.
Tai XXXXVI 1—5). S. auch die Zeichnungen bei A. Schultz
a. a. O. II Fig. 91, 96, 97, 99. Es war noch eine Reminiszenz aus
jener Zeit, als der Helm noch nicht darauf berechnet war,
auf den Schultern aufzusitzen, wie man das z. B. in der Wille-
halmhs. a. a. 0. beobachten kann. Helmdecken, eben dieser Hs.
und den Siegeln derselben Zeit noch unbekannt, kommen vor,
aber noch bescheiden in Umfang und Farbe. In H sind auch
die Zimiere scheinbar noch nicht über die Anfänge hinaus, in O
und D hingegen, was phantastische Formen betriftt, vollständig
in Blüte.

Zum Kopfschutz dient außer dem Helm der Eisenhut, in H Der Eisenhut
noch selten (TD. XV 6), wie er denn um 1300 mehr dem Fußvolk
als den Rittern ziemte, in D jedoch oft genug von Rittern, und zwar
über dem Hersenier (s. unten) getragen: 37b 5, 49b 3, 52b 3, 87 a
2, 90 al, 91a 3. Immerhin behalten sie auch nachdem sie abge-
sessen, dem Anschein nach lieber ihren Topfhelm auf, D52a4,
87 a 2, 49 b 3, H in TD. XXVI 2, XXVIII 9. Der Eisenhut aber besteht
aus einer gedrückten halbkugelig getriebenen Haube („Glocke"),
die von einer breiten Krempe umgeben ist. Diese ist in H wie auf
den Bildern bei A. Schultz, Höf. Leben II Fig. 110, 114 und bei
dem Eisenhut im Germ. Museum {Mitteil. 1882 S. 48) abgeschrägt,
in D läuft sie fast wagrecht um die Glocke. Durch einen von vorn
nach hinten ziehenden Grat ist die Haube in zwei Hälften ge-
gliedert. Wesentlich vervollkommnet ist der Eisenhut im Cod. Bal-
duin, bei IrmerTaf. 13, 14, 18, 19, 21, 22, 30, wo zwar die Krempe
wie in H abgeschrägt, aber die Glocke hoch in stumpfem Kegel
ansteigend und darüber in eine Spitze endigend. Der in den ange-

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