Eike <von Repgow>  ; Amira, Karl von [Hrsg.]
Die Dresdener Bilderhandschrift des Sachsenspiegels (Band 2) — Leipzig, 1925

Seite: 78
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1 cm
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0 23b 2, 35a 1, 44b 3. Es ist der sog. Faustschild (bokelink, boke-
lere var. 66 bei Homeyer S. 219), den auch auf den S. 20f. ange-
führten Zeichnungen und Malereien sowie im Gorleston Psalter
fol. 69 (dessen Publ. Taf.X) die Kämpfer führen und das nach einer
Miniatur des 14. Jahrh. im Brit. Museum zu einer Nachahmung des
Zweikampfes im Schwerttanz gehört (Lacroix, Moeurs Fig. 170).
Des kreisrunden und flachen Buckelers bedienen sich Zweikämp-
fer auf schwedischen Skulpturen des 12. und 13. Jahrh. (H. Hilde-
brand, Sveriges Medeltid II 288, 293). Er stammt aus vorge-
schichtlicher Zeit. S. das oben S. 21 angeführte Goldhorn von Galle-
hus und Vitterhets Hist. och Antiquitets Akad. Manadsblad 1905
Fig. 364—366, Antiquar. Tidskrift VIII 40. Im Früh-MA. kommt
aber auch schon ein halbkugelförmig ausgewölbter Faustschild
vor (Hildebrand 283). Dieser wurde im Spät-MA. noch ver-
kleinert und zugleich phantastisch umgestaltet. M. s. Talhoffer
III 231—241 und die Steinbilder von Fechtern aus St. Jakob zu Gent
im dortigen archäol. Museum (H. Hym ans, Gent u. Tournai Abb.
40). Gewölbt und mit einem halbkugelförmigen Buckel versehen
findet sich der Faustschild auch schon in 0 34 b 2, 26 a 2 (anders
in 24 a 2 oben Abb. 1). In der S. 21 angef. Federzeichnung bei Inder-
wick schützen sich die (Kolben-) Fechter mit halbmannshohen
viereckigen und genagelten Schilden, deren Fläche gewölbt und in
der Mitte durch einen halbkugelförmigen Buckel verstärkt ist.
Einen viereckigen Schild mit Buckel sieht man beim Fechten mit
dem altfränkischen Kampfstock auf einer Miniatur (Evangeliar
des XI. Jahrh.) beiViolletleDuc, Dict. du mob. II 483. In den
angeführten Fechtbüchern dagegen gibt es beim Kampf mit dem
langen Schwert wie auch bei gewissen andern Kampfarten (z. B.
mit der Streitaxt) überhaupt keine Schutzwaffe mehr. Der zuge-
spitzte Nabel wie wir ihn allemal in D vor uns haben, ist wohl dem
Kampfschild des deutschen MA. eigentümlich. Boeheim, Handb.
171. H gibt den Buckel apfelartig, doch mit einer kurzen Spitze
versehen. Zu einem weit ausladenden Stachel übertrieben ist die
Spitze in der Steinb. Hs. 91b, 92b, in der Liegn. Hs. I fol. 103 und

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