Eike <von Repgow>  ; Amira, Karl von [Hrsg.]
Die Dresdener Bilderhandschrift des Sachsenspiegels (Band 2) — Leipzig, 1925

Seite: 79
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in dem Fechtbuch Cgm. 3712 fol. 196—203. Heraldisch bemalt, wie seine Farbe
der Faustschild französischer Soldaten im 14. Jahrh. (A. Schultz,
Höf. Leben II Fig. 129), ist der Kampfschild niemals. Doch ist
seine Farbe nicht gleichgiltig. In D 19b, 20a, 26a3 ist er um den
Nabel herum rot bemalt. Nach dem Bacharacher Blutrecht
(Weisth. II 213) will der Kläger seinen Vorwurf „beherten mit
seinem roten Schild", und in der S. 20 angeführten Beaumanoir-
Hs. sind die Schilde der Kämpfer dunkelrot. Nach dem norwegi-
schen Bjarkeyjarettr 173 und nach Saxo Grammaticus (ed. Hol-
der 72) war zwar das Aufziehen eines purpurfarbenen Schildes
am Schiffsmast Friedenszeichen. Aber eine entgegengesetzte nor-
dische Überlieferung betrachtete es als Feindschaftszeichen (Fritz-
ner, Ordbog s.v. skjöldr 1, dazu R. Schröder bei Beringuier,
Die Rolande 18). „Rot" heißt bei den Friesen der Schild, womit
der ausgetretene Verräter sein Heimatland angreift, v. Richt-
hofen, Fries. RQuellen 30. Und so wird wohl auch der „rote
Schild", den man beim Messen einer Entfernung eben noch muß
sehen können (J. Grimm, RAM 105) ursprünglich als feindlicher
Schild zu denken sein. Zu Vorstehendem s. auch W. Wacker-
nagel, Klein. Sehr. I 197. Im Kampfrecht der Burggrafschaft
Nürnberg (bei Goldast, Reichssatzungen II) §11 wird dagegen
ein weißer Schild mit rotem Kreuz verlangt. Übrigens führt auch
D keineswegs die rote Farbe durch. In 14a 1, 2, 15a 2, 24b 3, 25b 5,
36 a 5, 6, 40 a 1, 41 a 5, 44 a 4 ist der Schild gelb, in H bald gelb, bald
grün, bald rot. Möglicherweise soll die gelbe Farbe das Holz be-
zeichnen, woraus der Schild gefertigt, oder das Leder, womit er
überzogen sein soll. Daß er nur aus Holz und Leder bestehen darf,
nimmt freilich der Maler von D nicht buchstäblich. Denn er läßt
den Buckel gewöhnlich weiß oder tuscht ihn blau an, d. h. er gibt
zu verstehen, daß dieser Teil der Schutzwaffe aus Eisen besteht.
Über die Kampfkleidung s. oben 19—23.

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