Eike <von Repgow>  ; Amira, Karl von [Hrsg.]
Die Dresdener Bilderhandschrift des Sachsenspiegels (Band 2) — Leipzig, 1925

Seite: 98
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archiv zu München zeigt den obersten Kellner und Richter der
Stiftsmuntat von St. Jakob zu Bamberg unter einem Baum auf
einer schlichten Bank sitzend, die beinahe den Durchmesser des
Siegels bildet. Ebenso schlagend, aber noch zahlreicher sind andere
Belege für diese Richterbank, auf die ich unter Nr. 2 zurückkom-
men werde. Den Faltstuhl als Richtersitz scheinen die Zeichner
unserer Hss. nicht zu kennen, obgleich nicht nur Graf Egino d. Ä.
von Urach auf seinem Siegel (oben 88), sondern auch Kaiser Hein-
rich VII. in Cod. Balduin, (bei Irmer Taf. X) als Richter sich
seiner bedient. Im Lehenhof hat der Richterstuhl fast immer den
Kastentypus mit Podium, D 65a 1—4 (nebst Beil. zu Taf. 129),
58a 4, 59a 3, 4, b 3, 4, 60b 3, 61 a 2, 62b 5, 63a 1, 65b 4, 78a 4, 5,
bl—5 usw. H in TD. III 9, IV 8, V 1, VI 2, 7, 8 (eine Ausnahme
D 7 a 1). Zum Unterschied vom Stuhl des Landrichters hat ihn der
Maler von H für gewöhnlich gelb angetuscht; nur beim Richter-
stuhl des Oberherrn (Fürsten) hat er die grüne Farbe beibehalten.
Wie der landrichterliche wird auch der lehenrichterliche Sitz zur
Aufnahme von Urteilfindern verbreitert, so deutlich in D 79 a 2,
bl, 2, 4, 91a 3 (anders allerdings in 80 a 1—5, b 1—5, 82 a 1, 2, 4,
b 1—5, wo die Urteilfinder ihre besondern Sitze neben dem des
Herrn haben), H in TD. II 4 und bei Kopp 60. Übrigens mag
gleich hier bemerkt werden, daß der Lehenherr, auch wenn er
nicht als Richter sitzt, fast ausnahmslos sich keines anderen Stuh-
les bedient, D a 2—4, 8 a 2, 3, 11 a 1, 33 b 2, 4, 35 a 3, 40 a 1, 43 b 4, 5,
49a 4, 57ff. passim, H in TD. III 2 (Kopp. 74), 3, 4, 7, 8, IV 1—5,
7, V 8, 11, 12, VI 3, 6. Die einzige Ausnahme finde ich in D 7a 1,
wo bei einer Investitur der Herr in einem schlichten hölzernen
Lehnsessel Platz genommen hat.

DemKastenschema folgten auch die Throne des Kaisers und des
Königs, ja einmal sogar der Thron Gottes (in D 4a 1). Freilich
wenn sie sich Mühe geben, suchen die Zeichner und Maler wenig-
stens den Thron Gottes und des höchsten weltlichen Herrn prunk-
voller zu gestalten als den gewöhnlichen Richtersitz. In D 1 a baut
der Künstler mit architektonischer Ausführlichkeit über Stufen

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