Eike <von Repgow>  ; Amira, Karl von [Hrsg.]
Die Dresdener Bilderhandschrift des Sachsenspiegels (Band 2) — Leipzig, 1925

Seite: 107
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topogr. Beskrivelse af Island I 205 f., 525 f,. II 146, 323. Die kreis-
förmige Anlage der Gerichtsstätte kann aus Norwegen nach Island
verpflanzt worden sein. Kreisförmig (6 Steinbänke in Doppelkreis
um einen Steintisch, langobardisch?) ist sie auch bei Cavalese
(oben 103, Planaufnahmen in meinem Besitz) und ähnliche waren
die pietra del mal consiglio zu Strigno und die platea communi-
tatis ad bancum zu Levico (Sartori-Montecroce in Zschr.
des Ferdinandeums 1892 S. 133). Vom Spät-MA. bis in die Neuzeit
hinein findet sich sehr oft eine hufeisenförmige Anordnung der
Bänke, so insbesondere in geschlossenen Räumen, und ebenfalls
in solchen war eine Verteilung der Sitze zu beiden Seiten des Rich-
ters beliebt, worauf ich freilich hier nicht näher eingehen darf.

In vielen Gerichten gab es einen Tisch vor Richter und Urteil- Gerichtstisch
findern. Auf Abbildungen von Stubengerichten sieht man ihn öfter,
z.B. Görl. Hs. 77b, Hamb. Bilderhs. fol.73a, 86a, 110a, 136a,
144a, 161a, 213a, 229a (bei Reincke Taf. 6, 7, 9—12, 15, 16),
Fehr Nr. 29, 30, 32, Stab Taf. 11. Steinerne Tische sind oder waren
doch noch vor kurzem auf Dingstätten unter freiem Himmel er-
halten, z. B. zu Altenritte, Berghausen und Vollmarshausen (Ans.
und Grundr. in Bau- u. Kunstdenkm. im RegBez. Kassel IV Atlas
Taf. 2, 3), zu Basdorf und zu Oberalm (Ans. in Zschr. d. Ver. f.
Volksk. 1896 Taf. 1, 1897 Taf. IV 2), zu Bingenheim (Kunstdenkm.
i. Grhth. Hessen, Kr. Büdingen 22), zu Feldkirchen bei Neuwied
(Ans. in Zschr. d. Ver. f. Volksk. 1901 Taf. 1), zu Güttersbach und
zu Kaichen (Kunstdenkm. i. Grhth. Hessen Kr. Erbach 126, Kr.
Friedberg 157), zu Kißleben (Bau- u. Kunstdenkm. d. Kr. Braun-
schweig I 289), zu Dortmund (ältere Abb. bei Meininghaus,
Der alte Freistuhl zu Dortmund 1913), zu Cavalese (oben 103). Ein
solcher Gerichtstisch war den Zeichnern des Ssp. unbekannt. Wäre
er ihnen bekannt gewesen, so hätten sie keinen Anlaß gehabt die
„Heiligen" auf einen Ständer zu stellen.

3. Der Stab. Er kommt zwar nur selten vor, doch in mehrfacher
Anwendung:

a) als echtes Botschaftszeichen, nämlich als Dienststab (Stab Dienststab

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