Eike <von Repgow>  ; Amira, Karl von [Hrsg.]
Die Dresdener Bilderhandschrift des Sachsenspiegels (Band 2) — Leipzig, 1925

Seite: 113
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angriffes. Mit gezogenem Schwert hat er das Gerüft zu erheben,
womit er vor Gericht seine Klage einleitet. Auch davon spricht der
Text des Rb. nicht. S. aber J.Grimm, RAMl519i., Döpler,
Schauplatz I 39, 40, 161, Meissener Rb. IV 6 dist. 7, Blume des
Magdeb. R. bei Homey er, Richtst. 345, Weichbild-Gl. ebenda 401,
Soester GerO. bei Westphalen, Mon. ined. IV Sp. 3095, 3103,
Weist. III 818, VI 718 f., Oude Vaderlandsche Rechtsbronnen,R.d.
Stad Dordrecht II 301. Wie in den hier gesammelten Zeugnissen
beschrieben, so wird die sichtbare Begleitform des Gerüftes dar-
gestellt in D 15a 3, 17a 2, 18a 3, 20a 4, 21b 4, 23b 3, 34b 5, O 26b 1
(Faksim. bei A. Scher er, Die Klage gegen den toten Mann Taf. 1),
30 a 1, 35 a 2 (Faksim. a. a. O.), 48 a 3, b 1, 66b 3, H in TD. XI 6 (färb,
bei Kopp 187). Insonderheit ist die Vorschrift beobachtet, das
Schwert müsse von dem Heranschreitenden über der rechten
Achsel getragen werden. Nur in D21a4 (in Gegensinn 037al)
hat der Künstler, wohl aus zeichnerischen Gründen das Schwert dem
Gerüftschreier auf die linke Achsel gelegt. In D 28 a 5, b 1 hat der
Kläger das Schwert überhaupt nicht geachselt, sondern er schwingt
es. Aber dort steht er auch nicht als einer, der eben erst das Gerüft
schreit, sondern (subjektiv symbolisch) als einer, der daran er-
innert, er habe es geschrien. — Über das Gerüft selbst s. Ho-
mey er, Richtst. 443f., Planck, Gerichtsverf. §84, Weber Sp.
XXIX f.

5. Die Fahne. Von Haus aus ist sie Feldzeichen wie das Lehensfahne
Schwert von Haus aus Waffe. Aber wie das Schwert ist sie Rechts-
symbol geworden. Sie ist in der Zeit der Bilderhss. bei den welt-
lichen Reichslehen Wahrzeichen der Lehensinvestitur
(sog. Lehensfahne). Deren Vorgang schildern D22b6 (besser 0
39b 3), 45b 1 (0 79 a 5), 47 a 5, bl (H in TD. XXIII 8, 0 81a 2, 3),
63 a 5, b 2 (H in TD. V 7, 10, die zweite Stelle farbig bei K o p p I 82),
85b 3: Dem vor ihm knienden (oder stehenden, oben 94) Laien-
fürsten wird vom König die Lehensfahne überreicht. Dazu gibt
es eine Menge von Parallelen. Von den auf S. 94 angeführten
Stücken gehören die meisten auch hieher. Zuweilen, namentlich

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