Eike <von Repgow>  ; Amira, Karl von [Hrsg.]
Die Dresdener Bilderhandschrift des Sachsenspiegels (Band 2) — Leipzig, 1925

Seite: 121
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man zuvor angefangen hatte, beim Verlöbnis den Ring als arrha
sich gegenseitig zu geben, woraus die gegenseitige Rückgabe dieser
arrha bei der Vermählung folgte. Aber einmal in den ritus nuptia-
rum aufgenommen, büßt der Ring bald seine ursprüngliche Be-
deutung als arrha ein und wird nun symbolisch auf die eheliche
Treue bezogen (truweschat, truwevinger, truwe s. Haltaus s. v.
Treuschatz, Frensdorff a.a.O. 343). In moderner Zeit soll nicht
nur das Gold, sondern auch die vereinfachte Gestalt des Ringes
diese Beziehung ausdrücken. Soweit war man nun allerdings im
14., ja selbst im 15. Jahrh. noch nicht gelangt. Noch schmückt den
Trauring ein in Kassette gefaßter Stein. Vgl. das Siegel des Konr.
V.Enzberg (a. 1343) bei Fst. Hohenlohe, Herald. Aphorismen
Nr. 168. Erhaltene Fingerringe aus jener Zeit, die man uns als
„Verlobungsringe" vorstellt, würden, wenn richtig gedeutet, zur
'Bestätigung dienen. S. D ebo, Alte Ringe Taf. IV 30, 33, V 44, VI 50.

12. Die Krone. Über sie ist schon S. 42ff. gesprochen und hier Kr°ne
nur noch zu bemerken, daß sie, wie Abzeichen des Königs, so auch
Zeichen für den Begriff König ist und demgemäß wie das Wort
„Reich" und das Wort Corona den König und zugleich den von ihm
regierten Staat bezeichnen kann. S. Bd. I Einleitg. 27. Erfunden ist
diese subjektive Symbolik nicht von den Illustratoren, denn längst
vor ihnen übt die Krone die gleiche Funktion auf Münzen aus.

S. z. B. die Pfennige der Reichsmünzstätte zu Nordhausen, bei
Posern-Klett, Münzen Taf.XIX18—20, XXII 34, 35 und andere
ebendort XXIV 11, XXVI 8, 32, 33, XLV 16, teilweise aus Meissener
Fabrik.

13. Der sog. Reichsapfel wurde ebenfalls schon S. 48 bespro- Reichsapfel
chen. Hier ist noch auf seine spätmittelalterliche Ausdeutung im
Eisenacher Rb. II 1 zu verweisen und anzumerken, daß er von

Haus aus nur dem Kaiser als Abzeichen zukam, weil der Globus
das imperium mundi versinnlichte, daß er aber gegen 1300 schon
längst und allenthalben Abzeichen des mit der Kaisergewalt kon-
kurrierenden Königtums geworden und selbst in dieser Funktion
schon nahezu verbraucht war. Denn auf ihren Siegeln führten ihn

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