Eike <von Repgow>  ; Amira, Karl von [Hrsg.]
Die Dresdener Bilderhandschrift des Sachsenspiegels (Band 2) — Leipzig, 1925

Seite: 132
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Bild stehen r. vier Männer in langen Röcken, barhäuptig und mit
der Gebärde der Ehrerbietung {Handgeb. 232f.); ihnen gegenüber
1. thronen 2 Gekrönte, zu deren L. noch ein Ungekrönter sitzt,
dessen Haupt mit einer Gugel bedeckt ist; die Kronenträger gesti-
kulieren mit Rede- und Befehlsgebärden, der Gugelträger weist mit
der r. Hand auf sich selbst.

Die Komposition in D 3b 1 zieht die beiden in 0 vorfindlichen in
eine einzige Darstellung zusammen, wobei es nicht ohne sehr ein-
ifepgowe §re^en<^e Änderungen abgeht. Daß der Kniende sowie der Sitzende
in 0 6al den Verfasser des Rechtsbuches Eike v. Repgowe vor-
stellt, kann nicht bezweifelt werden. Der über ihm in nimbierter
Taubengestalt schwebende „hl. Geist" gibt es deutlich zu erkennen.
Aber er hat infolge der Ausfüllung der 1. Bildhälfte einen andern
Platz bekommen als inO. Das in O frei schwebende Buch ist durch
ein langes Spruchband ersetzt, das Herr Eike im linken Arm hält.
Seine Schwurgebärde, die in keinerlei Beziehung zum Text steht, ist
an die Stelle der viel verständlicheren Zeigegesten in 0 getreten.
Dagegen ist er zu den thronenden Herrschern in eine Beziehung
gesetzt, wozu der Schlußsatz des Prologus nur einen sehr ent-
fernten Anlaß bietet. Aus dem zweiten Bild von O (6b 2) sind in D
die 4 vor dem Thron stehenden Männer verschwunden und durch
den knienden Eike ersetzt. In den beiden Kronenträgern haben
wir nicht mit Kopp, Bilder II 27 den Kaiser Friedrich II. und
dessen Sohn Konrad IV., sondern mit G r u p e n bei Spangenberg
Konstantin a a q 24 die im Text genannten „christlichen Könige" Konstantin

und Karl ° " °

und Karl d. Gr. zu erkennen. Ihre Gestikulation besteht in D nur
noch aus Redegebärden. Verschwunden ist ferner der Beisitzer,
der wohl einen Repräsentanten der wissagen vorstellte.

Es darf wohl mit Sicherheit angenommen werden, daß die Illu-
strationen in O denen von X am nächsten kommen1). Ihre Zu-
sammenziehung in D stört die Ordnung in einer sonst nicht mehr
zu beobachtenden Weise. Ob sie schon in Y oder erst in D erfolgte,
ist nicht auszumachen. Es spricht aber die Wahrscheinlichkeit da-

') Noch in Geneal. 383 hielt ich das Gegenteil für möglich.

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