Eike <von Repgow>  ; Amira, Karl von [Hrsg.]
Die Dresdener Bilderhandschrift des Sachsenspiegels (Band 2) — Leipzig, 1925

Seite: 138
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sieht ausgegangen sein, daß sie etwas der Lehensreverenz allein
eigenes sei. Über das Tatsächliche s. W. Michael, Die Formen
des unmittelbaren Verkehrs zwischen den deut. Kaisern u. souver.
Fürsten 1888 S. 44—51 und Hinschius, Kirchenr.l 211 Note7.
In den Ordo der Kaiserkrönung ist das Stegreifhalten seit Otto IV.
aufgenommen, Diemand 132, 140, Mon. Germ. LL. II 192, 533.
Das officium stratoris, welches in früherer Zeit und noch oft
später Könige und Kaiser dem Papste leisteten, bestand wesentlich
nur im Führen seines Pferdes, Michael a. a. O. 45 f., 48, 49. Bild-
liche Darstellungen davon: Wandgem. in der Silvesterkapelle von
Quattro Coronati zu Rom (13. Jahr., abgeb. in Farben bei J. Wil-
pert, Mosaiken IV Taf. 269), kolor. Federzeichgg. in der Aulen-
dorf er Hs. von Richenthals Konzilschron p. 231 (Lichtdr. bei Se-
vin) und in der Konstanzer Hs. 97a, 103b, 105b.
Kaisertracht Daß axif dem vorliegenden Bilde der Kaiser ohne Mantel er-
scheint, könnte tiefere Bedeutung haben, wenn nicht in dem Bil-
derwerk der Herrschermantel überhaupt in der Regel unberück-
sichtigt bliebe (s. oben S. 46). Es mag daran erinnert werden, daß
bei Begegnungen mit dem Papst der Kaiser seine Ehrfurcht durch
Ablegen des Mantels zu bezeigen pflegte, Michael a. a. 0. 44, 48.
Dazu vgl. die Krönungsordines Mon. Germ. LL. II 189, 533 und
bei Diemand 132, 140. Auf den zitierten Bildern des Richenthal
erscheint der Kaiser ebenfalls ohne Mantel. Aber auch sonst galt
das Mantelablegen vor einem andern als Zeichen der Ehrfurcht.
So legt im Hortus deliciarum Herzog Eticho seinen Mantel ab, wäh-
rend er die Hohenburg an St. Peter, Maria und Christus übergibt,
Straub pl. 79. Auf der subjektiven Künstlersymbolik hingegen be-
ruht es, wenn der Kaiser beim Steigbügelhalten die Krone trägt. Denn
nach dem Ordo Mon. Germ, LL II 192 hatte er sie vorher abzulegen.
Der Papst Kopp, Bilder II 33f. und Runde, Patriot. Phantasien 216

reitend '

haben sich darüber aufgehalten, daß der Zeichner den Papst auf
der rechten Seite des Pferdes mit dem linken Fuß in den Steig-
bügel treten läßt1). Schon in Bd. I Einleitg. 31 N. 4 wies ich darauf

») S. dagegen fol. 81 b 2.

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