Eike <von Repgow>  ; Amira, Karl von [Hrsg.]
Die Dresdener Bilderhandschrift des Sachsenspiegels (Band 2) — Leipzig, 1925

Seite: 140
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Abgeleitete g Figg., sowie mit mehrfachen, unten zu erwähnenden Abweichun-

Bilder oö ' '

gen 0 7al (bei Spangenb. a. a. O. tab. VI). Wahrscheinlich ab-
geleitet ist aus X eine Miniatur in Görl. 29a (abgeb. bei Jecht,
Handschr. Tai. V): in der Initiale Q der Bischof im Ornat mit Inful
und Stab, vor ihm 3 Männer. Ähnlich eine Min. in Liegn. I IIb in
derselben Initiale; hier fehlt dem Bischof der Stab; der vorderste
von den 3 Männern vor ihm trägt Tonsur. S. Geneal. 375, Zschr.
f. RG. 1906 S. 378.

Btschofssend Der Bischof hält sein Sendgericht ab, wozu die schöffenbaren
Leute erschienen sind. Sieben Männer stehen in D vor ihm, wo-
bei die Anordnung der Figg. zu beachten: 3+3+1. Der Zeichner
scheint auf die Siebenzahl Gewicht zu legen. Dieser Umstand und
der ziemlich gleichmäßig wiederkehrende Redegestus legen den
Schluß nahe, daß die Sieben nicht etwa bloß schöffenbare Send-
pflichtige überhaupt, sondern die Sendschöffen vorstellen. Diese
treten noch im Spät-MA. in Siebenzahl auf, ebenso wie ihre früh-
mittelalterlichen Vorläufer, die testes synodales. S. einerseits
Weist. VI 702 (a. 1415), vgl. mit Lörsch, Aachener Rechts-
denkm. 50, 130 (sieben Laienschöffen), A. M. Koeniger, Quellen
3, Gesch. der Sendger. 122 (sieben Sendgeschworene), anderseits
Regino, De synod. causis 112. Erscheint in O, und gar in den
schlesischen Hss. eine geringere Zahl, so dürfte dies auf Verein-
fachung der ursprünglichen Komposition beruhen. Wenn in Liegn.
der vorderste Sendschöffe Kleriker ist, so rührt dies wahrschein-
lich daher, daß eine Art von Zusammenziehung des gegenwärtigen
mit dem nächstfolgenden Bildstreifen stattgefunden hat, wo aller-
dings als Wortführer der Sendschöffen ein Geistlicher auftritt
(s. unten). Hinter dem Bischof steht in D an seiner Tonsur kennt-
lich und gestikulierend ein Geistlicher, den wir als Bepräsentanten
des bischöflichen Gefolges aufzufassen haben. In O nimmt seine
Stelle der neben dem Bischof sitzende Stabträger ein. Die Hand-
bewegung der Sendschöffen in D will sie als Leute kennzeichnen,
die auf Frage des Bischofs Auskunft zu geben, sei es nun Send-
fälle zu rügen oder Urteil zu finden haben. Doch dürfte hinsicht-

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