Eike <von Repgow>  ; Amira, Karl von [Hrsg.]
Die Dresdener Bilderhandschrift des Sachsenspiegels (Band 2) — Leipzig, 1925

Seite: 159
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/amira1925bd2/0175
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
Ähnlich O 8a3 (bei Spangenb. tab. VII links). Hier fehlen eben-
falls die Ringe, während die entschieden senkrechten Arme er-
kennen lassen, daß die Ringe eingezeichnet sein sollten; der Papst
macht keine segnende, sondern eine hinweisende Gebärde; in der
Linken hält er kein Szepter, sondern ein Buch. Außerdem bietet 0
am Anfang des Bildes (rechts) noch eine in DW fehlende männ-
liche Figur; diese deutet mit der linken Hand hinter sich, d. h. auf
die vorige Bildkolumne, wo das Ende der Sippe dargestellt ist,
mit dem rechten Zeigefinger aber auf die beiden Figuren vor ihr.
O illustriert also auch noch den Eingangssatz und schließt sich
insofern vermutlich genauer an X an.

Der Papst erlaubt das Heiraten in der fünften Sippe (wegen des Die 5. siPPe
Szepters s. oben S. 63, wegen der Trauringe 119 f.). Die Sippen
deutet der Illustrator durch die fünf Ringe (Punkte) an, die er auf
dem herabhängenden Arm eines jeden der Brautleute eingetragen
hat. M. a. W. jedes von ihnen vermag an seinem Arm fünf Sippen
abzuzählen von dem ihm mit dem andern Verlobten gemeinschaft-
lichen Vorfahren aus. Man beachte, daß die erste Sippzahl auch
hier am Schultergelenk steht. Der Illustrator nimmt also die Ord-
nungszahlen der einzelnen Sippen im vorausgehenden Text nicht,
wie Stutz, Verwandtschaftsbild 10—15 will, relativ, sondern mit
Görlitz. Ldr. 45 §10 absolut. Er kennt Sippzahlen nur im ent-
fernteren Verwandtenkreis1): nur diese sieben „rechnet" d. h.
zählt man in der Magschaft. Verstand er dabei unter magert
nicht wie gewöhnlich die Neueren (sogar J. Grimm, BA.4 I 646)
bloß die Verwandten von der ersten Sippzahl an, sondern alle
Blutsfreunde, so traf er damit durchaus die Meinung Eikes, dem
an allen übrigen Stellen2) des ursprünglichen Bechtsbuches das

1) Anders Stutz, der in dem Satz „dieß ist die erste Sippzahl, die man zu Magen
rechnet", den Ton nicht auf das Wort „erste", sondern auf das Wort „Magen" legt. Er
übersieht dabei die emphatische Ankündigung der Stelle, wo die Sippe „beginnt". Es
wäre banal, wenn damit gesagt werden wollte, daß sie mit der Ausgangsperson oder
mit dem „Haupt" beginnt.

2) Ldr. I 27 § 2, 60 § 2, 63 § 3, 64, II 12 § 1, 14 § 1, 34 § 2, III 32 §§ 4, 5, 9, 78
§§ 1—5, 9, Lnr. 71 § 23. S. ferner die Zusätze Ldr. I 4, III 73 § 1, 90 § 2. Nur in dem

159
loading ...