Eike <von Repgow>  ; Amira, Karl von [Hrsg.]
Die Dresdener Bilderhandschrift des Sachsenspiegels (Band 2) — Leipzig, 1925

Seite: 161
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fähr die Mitte des Bildes einnehmend, stellt einen die drei andern
überragenden Mann in langem faltigem Gewände dar, der auf
reichgeziertem Stuhle sitzt und nach beiden Seiten hin Brot aus-
teilt, wonach jene drei ihre Hände ausstrecken.

Die verständlichste unter diesen 4 Figuren ist die in D auf derK°®rst^.raud^j^n
Erde kriechende, in O kauernde. Es ist der Typus des „Krüppels",
wie er in der mittelalterlichen Kunst regelmäßig wiederkehrt. So
schon im Echternacher Evangliar a. 983—991 (abgeb. in Jahrb.
d. Rheinlande LXX Taf. X, Janitschek, Malerei 68/69, Otte,
Handb.51 477) und bis hin in die große Heidelberger Liederhs. um
1330 (Kraus, Miniat. Taf. 39). Späterer Zeit gehören an La-
er o ix, Moeurs fig. 374, 376, Th. Hampe, Fahrende Leute Abb. 60.
„Schemeler" war der Name für diese Unglücklichen, denn drei-
füßige Schemel waren die Geräte, womit sie sich forthalfen, um
ihre Hände zu schonen. Auf andern Darstellungen sind ihnen
solche Schemel auch an die Beine gebunden, z. B. auf dem Siegel
der Stadt Kröpelin (F. Hauptmann, Wappenrecht 124, Sey 1 er,
Gesch. d. Siegel 328). S. überhaupt A. S chultz, Höf, Leben2 1 527,
Heyne, Hausaltert. III 23 f. nebst Du Cange, Gl. s. v. Scamellum.

Da der Text den Krüppel an dritter Stelle unter den Erbun- Die

Erbunranigen

fähigen nennt, so beginnt ihre Reihe wahrscheinlich mit der vierten
Figur. In dieser werden wir demnach den altvil, in der dritten wer-
den wir den „Zwerg" zu erkennen haben, und in O würde jenem
die Figur zur Linken, diesem die zur Rechten des Thronenden ent-
sprechen. Besondere Kennzeichen außer ihrer Kleinheit bemerken
wir an ihnen in O nicht. In D könnte die Kapuze des Zwerges etwa
an die Stelle eines Buckels getreten sein. Beim altvil läßt nichts Der Aitvii
darauf schließen, daß der Künstler darunter einen Hermaphro-
diten verstanden habe, wie jüngere Glossen, dann in der neueren
Literatur namentlich J. Grimm, .RA.4 I 566, Gesch. d. deut. Spr.
II 947, Homeyer, Des Ssp. zweiter Theill 560, D. Ssp. erster
Thß 395, — und ebensowenig, daß er ihn für den homuncio der
lateinischen Übersetzungen genommen, wie Kopp, Bilder II 13 und
M. H aupt in Zschr. f. deut. Alterth. VI 400; er zeichnet ihn ebenso

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