Eike <von Repgow>  ; Amira, Karl von [Hrsg.]
Die Dresdener Bilderhandschrift des Sachsenspiegels (Band 2) — Leipzig, 1925

Seite: 162
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klein aber auch nicht kleiner als den Zwerg. Sieht man genauer zu,
so scheinen der verrenkte rechte Arm und der ungewöhnlich blöde
Gesichtsausdruck in D eher auf fatuus (blödsinnig) zu deuten,
womit eine Lateinübersetzung das Wort altvil überträgt, und da-
mit stimmen auch überein die Untersuchungen von Alb. Höf er,
Altvile im Ssp. (Halle 1870)*) und von Zacher in Zschr. f. RG.
XXII 55—58, obgleich sie in der Ethymologie nicht einig gehen.
, ?nt!,r\. Daß der thronende Brotausteiler in O den nächsten Erben vor-

haltspflicht

stellt, der die erbunfähigen Leute in seiner Pflege hält, dürfte kei-
nem Zweifel unterliegen. Damit ergibt sich aber auch die Erklä-
rung von Figur 1 in D. Allerdings sollte man in ihrer Hand statt
des Schemels ein Stück Brot erwarten wie in 0. Aber wahrschein-
lich hat der Zeichner von D seine Vorlage Y mißverstanden, die
hier wie so oft undeutlich war. In der Gesamtanordnung der vier
Figuren dürfte D sich weniger von der Hs. X entfernt haben als O.
Dafür spricht einerseits die klarere und einfachere Reihenfolge
von links nach rechts in D, (so wie z. B. auch in fol. 4b 2, 3) ander-
seits die auch sonst bemerkbare Neigung des Zeichners der Hs. N
zu ausschmückender und ausführlicher Umarbeitung der Kom-
positionen (Geneal. 383).

5b(Taf. 10)3. 3. Die Figuren zu dem Rest von Ldr. 4, und zwar gehören Figg.

2—4, wie das goldene W, anzeigt zu dem Satz Wirt ein kint — da
mite nicht, Fig. 1 zufolge dem mennigroten V zu dem Satz Uffe den
missilsuchtigen man etc.

Farben: 1) Dunkelblauer Rock; — 2) Rock rot, Beinkl. blau;
— 3) Rock saftgrün, Beinl. gelb; — 4) Rock dunkelblau, Beinkl. rot.

= Wllb3 (bei Spangenb., Beytr. tab.IXa links). Ähnlich 0
9b 1 (bei Spangenb. tab.VIII rechts). Hier fehlt jedoch, wie
schon Homey er, D. Ssp. erster Th.3 115 angemerkt hat, die Figur
des Stummen. Fig. 1 erscheint in O im Gegensinne und unbekleidet.

*) Die Herausgeber des Miltelniederd. Wörterb. würden schwerlich mit dem „Ernst
der deut. Rechtsspraehe" gegen Höfer argumentiert haben, wenn sie diese Rechtssprache
genauer gekannt hätten.

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