Eike <von Repgow>  ; Amira, Karl von [Hrsg.]
Die Dresdener Bilderhandschrift des Sachsenspiegels (Band 2) — Leipzig, 1925

Seite: 204
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9a(Taf. 17)4. 4. Zu Ldr. I 20 § 1: Nu vernemit — veltgenge vie (eigentlich aber
erst von den Worten des morgens an).

Farben: 1) Rock der Frau grün, Mantel rot, Gebände weiß, der
Reif in ihrer Hand golden; — 2) Rock grün, Beinkl. rot; — 3) Rock
dunkelblau, Beinkl. rot. Der Schild unbemalt. Die Schüssel auf
dem Tisch golden. Bildbuchstabe N golden in grünen Umrissen.

= W 15 a 4. In zwei Bilder zerlegt und im Gegensinn O 15 b 3, 4.
Hier sieht man aber auch noch eine halbe Sonne, anderseits von
den Tieren nur einen Ochsen und einen Bock und anstatt des Gold-
reifes einen Kranz. Wegen der Zerlegung des einen Bildes in zwei
Geneal. 369 (wo D fol. 9a 4 anstatt D fol. 9a 1 zu lesen). Liegn. I

iacMnuIga 40 a Dietet zum nämlichen Text eine Initiale (N), worin zwei
stehende Figuren, r. eine Frau in Haube und Mantel mit einem
Rosarium (Paternoster) in der r. Hand, 1. ihr zugewendet ein Mann
in langem Rock mit breitem Rittergürtel, das Haupt mit einer
Mütze bedeckt, der die L. zum Redegestus erhebt und mit dem r.
Zeigefinger aus der Initiale heraus auf den Text deutet. Vgl. Geneal.
375 oben.

Morgengabe Den Mann „von Ritters Art" charakterisiert die Herrenkleidung

des Ritter- " °

mäßigen und der Schild an seiner Seite (s. obenS. 24 f., 70f.) den Zeitpunkt
des Vorganges, den der Text genau angibt, die halbe (= aufgehende)
Sonne, die in D fehlerhaft ausgeblieben, und das Stehen der jungen
Ehegatten am Frühstückstisch. Die Gegenstände der Morgengabe
sind leicht erkennbar, der kauernde „Knecht" mit der Gebärde der
Ehrerbietung {Handgeb. 2321), klein gezeichnet, weil er zum Pagen
bestimmt ist und darum noch „binnen seinen Jahren" stehen
muß1), ferner „Zaun und Zimmer", die der Illustrator so wie die
spätere Praxis2) buchstäblich nimmt („Zimmer" = Bauholz, beim
Zaun liegend), dann das „feldgängige Vieh". Außerdem aber händigt
der Ritter seiner Frau einen Gegenstand ein, der in O deutlich als
Kranz erscheint. Es ist ein Schapel, das in D nur durch die Ver-

J) Über Edelknaben, insbesondere zum Dienst der Damen und Edelfräulein s. Schultz,
Höf. Leben 1 425f. und mit Beziehung auf Ssp. Ldr. I 20 § 1 Martitz 218.

") Vgl. Sydow, Erbr. 274, Martitz 220, 228f., Homeyer, Anm. zu Ldr. I 20 § 1.

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