Eike <von Repgow>  ; Amira, Karl von [Hrsg.]
Die Dresdener Bilderhandschrift des Sachsenspiegels (Band 2) — Leipzig, 1925

Seite: 212
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schwerlich eine besondere Beziehung zu der Natur des geschil-
derten Vorganges ausmitteln.

10a (Taf. 19)

loa(Taf. 19)i. 1. Zu den Worten: Lipgedinge en kan — obezboume abe houwe
in Ldr. I 21 § 2.

Farben: 1) Rock grün, Beinkl. rot; — 2) (Frau) Rock rot, Kopf-
und Kinntuch weiß; — 3) Rock blau, Beinkl. rot. — Hauptfarbe der
Architektur gelb. — Buchstabe L dunkelblau.

= W16al. Im Gegensinn 0 17a 2, wo nur das Gebäude etwas
anders gezeichnet ist (mit Zinnen und Tor),
vervrfrkung p-g Witwe vertreibt mit der r. Hand den Erben aus ihrem Leib-

der Leibzucht

zuchtgut, d. h. er kann ihr das Leibgeding „nicht brechen", Hand-
geb. 253. Mit dem Ablehnungsgestus der 1. Hand verzichtet sie dar-
auf, d. h. muß sie verzichten, verwirkt sie es, — und zwar, weil
sie, wie 1. zu sehen, einen Obstbaum auf dem Gut „abhauen" läßt.
oi7a3. In 017a3 folgt noch ein Bild zu dem Schlußsatz von 121 §2:
J:?il)Z"cht, bel wirt ein man — ir lipqedinqe. In der Mitte der Bischof in Alba,

Ehescheidung i v tj >

Kasel, Pallium (?) und Mitra, r. von ihm eine Frau, 1. ein Mann,
den er mittelst der Trennungsgebärde (Handgeb. 253f.) „von dem
Weibe scheidet". Die Frau tritt in ein Haus ein, dessen Tür offen
steht, und weist mit der r. Hand auf ein Ährenfeld zu ihren Füßen.
Haus und Ährenfeld veranschaulichen ihr Leibgeding, das sie trotz
der „Scheidung" (Annullations- und Trennungserkenntnis) „be-
hält". Der Mann weist mit der r. Hand hinauf nach dem vorher-
gehenden Bild, wo ebenfalls das Leibgeding einer Frau veranschau-
licht wurde. Er zeigt damit an, daß er ihr ein Leibgeding bestellt
hat, oder auch, daß der gegenwärtige Fall dem vorigen analog be-
handelt wird. —- Daß ein Bischof die Ehe „scheidet", entspricht
dem zur Zeit von X und N schon geltenden kanonischen Recht,
wonach zur Annullation und Trennung einer Ehe das bischöfliche
Gericht zuständig war. Wollte der Illustrator den Bischof wirklich
durch ein Pallium auszeichnen — was sich bei der Flüchtigkeit der
Federzüge in O nicht mit Sicherheit sagen läßt, — so würde dies

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