Eike <von Repgow>  ; Amira, Karl von [Hrsg.]
Die Dresdener Bilderhandschrift des Sachsenspiegels (Band 2) — Leipzig, 1925

Seite: 216
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10b (Taf. 20)

iob(Taf 20)1. 1, Zu Ldr. I 22 §3: Darnoch mus di vrouwe — sinen gewern.

Farben: 1) Rock von rot und gelb quergestreift, Beinkl. rot, *die
Schüssel golden; — 2) Rock von rot und gelb geschacht, Beinkl.
gelb, die Becher golden; — 3) (Witwe) Rock grün, Mantel rot,
Kopf- und Kinntuch weiß. Buchstabe D grün.

= W 16b 1. Stark abweichende Komposition in O 18a 1 (faksim.
bei Lübben 20/21). Hier sitzt nicht nur die Frau (1. Fig. 3), son-
dern auch der Mann ihr gegenüber (r. Fig. 1), den höfische Tracht
(langer Oberrock mit herabhängenden Halbärmeln) auszeichnet,
— beide mit Rede- und Zeigegebärden. Diese gelten den über ihnen
befindlichen Gegenständen, zunächst je einer in der Luft schwe-
benden Gruppe von 9 dicken Ringen, darüber einer Reihe von
Würsten und zwei Schinken1), die von einem Gestänge herab-
hängen. Nach den Würsten greift mit einem geästeten Holz ein
junger Mann (Fig. 2), den kurzer Rock kürzere Haartracht und
bäuerische Gesichtszüge von Fig. 1 unterscheiden. Zu Füßen der
beiden Sitzenden je ein Haufen von Kreisen, wie sie sonst Geld-
stücke vorzustellen pflegen.
„ ,D!f Zum Verständnis von D und O dienen folgende Bestimmungen

Musteilung ö °

der „Hofspeise" bezw. des „Musteils". Meissener Rb.110 dist. 1:
Nu wisset, daz man in deme lantrechte den frouwen reicht eyger,
pottern, kese, gesroten fleyss ufgehangen, dorre worste
unde siten... Glosse zu Weichb. 24: Musteil... Hiezu gehöret
fleisch, hammen, schinken, schuldern, worste, keese, twarg,
puffere, smalz, salz, honig, fische, he ringe unde ... korn, malz,
bir, mete, wyn unde kirschtrang. Diz nymt sie alles halb. Das
sog. Stück vom Musteil (Rhein. Museum f. Jurisp. VII 289) nennt
auch noch alle bakken brot, allerlei drank, die lateinische Glosse zu
Ldr. I 22 § 3 panis cum omni poiu. Hiernach kann allerdings in
D der Fisch auf der Schüssel und der Inhalt der Becher die Hof-
speise repräsentieren, in O die Würste und die Schinken, sowie

x) Vgl. auch deren übereinstimmende Vorstellung im Monatsbild Januarius des Kalenders
in Cod. Ambr. 103 zu Wien (14. Jahrh.), reprod. bei Schultz, Deut. Leben I Taf. IV.

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