Eike <von Repgow>  ; Amira, Karl von [Hrsg.]
Die Dresdener Bilderhandschrift des Sachsenspiegels (Band 2) — Leipzig, 1925

Seite: 274
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gebüßt wird. Die Zunge wird mittels einer Klemme abgequetscht,
— schwer vorzustellen, da der Sträfling seine Zunge zu diesem
Zweck herausstrecken mußte. Auf jüngeren Darstellungen wird sie
allerdings, wenn auch nicht abgequetscht, so doch mit einem Mes-
ser abgeschnitten, so auf einem Holzschnitt des H.Weiditz im
sog. Trostspiegel 1532 (Fehr Nr. 136), auf einer Malerei der Neu-
bauerschen Chronik fol. 125 a (ein Fall v. 1591, der Sträfling halb-
sitzend mit rückwärts gebundenen Händen an einen Pfahl gefes-
selt), ferner auf einem Stich bei Ortelius, Chronol. Nürnb. 1602
fol. 210/11 (Fall v. 1601, der Sträfling sitzend an den Pfahl gebun-
den und mit verbundenen Augen). Es gab aber ein wesentlich
anderes Verfahren, wobei die Zunge „zum Nacken heraus gewun-
den" wurde, FemRb. art. 33 bei P.Wigand, Femger. 558, Osen-
brüggen, Studien 294, Stöber, Alsatia 1875/76 S. 173. Dieses
sieht man auf einer Miniatur in der Steinb. Hs. 90b (2 Figg. in der

i7b(Taf.34)2. 2. Zu Ldr. I 59 § 2: Is en mag — mit uorsprechin.

= W23b2. Im Gegensinn O30b3: hier hält sowohl der Graf
wie der Schultheiß ein Schwert in der Hand; ihnen gegenüber
sitzen auf einer stark erhöhten Bank in einer geschlossenen Reihe

Abb. n

Initiale D) hier Abb. 11: 1. in
langem Rock mit kreuzweis
gebundenen Händen und den
Kopf nach 1. wendend der ver-
urteilte Richter; seine Zunge
ist nach rückwärts aus dem
Hals herausgezogen; r. ein
Mann, der mittels zweier Höl-
zer (oder einer Zange ?) die
Zunge ergriffen hat. Ein drittes
noch furchtbareres Verfahren
mit Aufhängen an der Zunge
schreibt vor das Wiener Weich-
bild 149.

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