Eike <von Repgow>  ; Amira, Karl von [Hrsg.]
Die Dresdener Bilderhandschrift des Sachsenspiegels (Band 2) — Leipzig, 1925

Seite: 278
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den Figg. jedoch nicht die nämliche Person vorstellen. Beim An-
dingen bittet der Kniende (Fig. 3) den Richter, zu gestatten, daß,
falls er seine Partei „versäumen" sollte, diese sich einen andern
Vorsprecher nehmen darf, um sich mit ihm zu „erholen". Vgl.
Richtst. Ldr. 3 §3 und die Formeln bei Homeyer, Richtst. 101,
330 (§ 2), 366, Zenten I 1350, 1364, 1368, 1374. Er begründet die
Bitte durch Verweisung auf sein Gebrechen, indem er auf seine
Zunge deutet. Den Inhalt der Bitte und zugleich ihren Erfolg ver-
sinnlicht das hinter ihm stehende Figurenpaar: die Partei (Fig. 2)
„erholt" sich, indem sie dem Vorsprecher mit der r. Hand gleich-
sam in den Arm fällt (subjektiv-symbolischer Scheltegestus, Hand-
geb. 250) und zum Richter gewendet den 1. Zeigefinger erhebt
(Aufmerksamkeitsgestus). Weniger gut, doch ebenfalls noch an-
nehmbar ist ihr Verhalten in O, wo sie auf den Vorsprecher deutet
und sich ihm zukehrt. S. Handgeb. 195. Der Richter gewährt die
Bitte, indem er auf ihn hindeutet. Zum Verständnis des ganzen
Vorganges s. H. Siegel in Sitzgsber. der Wiener Akad. XLII (1863)
211—213, 222, 226, ferner Homeyer, Richtst. 424f., Planck,
Gerichtsverf. I 204. Der Bildner ist über den Text hinausgegangen.
Er hat nicht bloß die Erholung, sondern auch den Grund ihrer
Zulässigkeit anschaulich gemacht.

i8a(Taf.35)2. 2. Zu Ldr. I 61 [60] § 4: Ein iclich man — und nicht er.

Farben: 1) Rock des Pfaffen grün, Beinkl. blau; — 2) Rock rot,
Beinkl. blau; — 3) Rock mit roten und grünen Querstreifen in
Weiß, Beinkl. gelblich; — 4) Graf wie in Nr. 1. Bildbuchstaben E
und W Mennig, K golden in blauen Umrissen.

= W24a2, 031b 2, wo aber der Graf das Schwert mit der L.
über den Knien hält und den r. Zeigefinger aufstreckt und von den
drei andern Figuren keine mit den Attributen des Fronboten ver-
sehen ist.

Von den Buchstaben in D ist mindestens K ungehörigerweise
aus dem weitern Textverlauf entnommen. Der Zeichner hatte dem
Miniator nur den Buchstaben E vorgezeichnet. S. Geneal. 344 N. 2.

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