Eike <von Repgow>  ; Amira, Karl von [Hrsg.]
Die Dresdener Bilderhandschrift des Sachsenspiegels (Band 2) — Leipzig, 1925

Seite: 312
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Szene, wie sie D gibt, eine traditio per ostium et anaticula (ana-
talia) oder per ostium et haspam (vgl. auch J.Grimm, RA.^l
240f.) was angeht, wenn man, wie wohl notwendig, unter ostium
et anaticula (anatalia, haspa) die in den Angeln sich drehende Tür
versteht. Der Betreiber hat die Tür ergriffen und dreht sie in den
Angeln. Das Auf- und Zutun der Tür ist als symbolische Besitz-
nahme ausdrücklich bezeugt (Haltaus Sp. 1785). Dagegen eine
traditio per annulum ist weder in D noch in O zu sehen, obgleich
0 an der Tür den Ring zeigt.

Die Eigenheiten der schlesischen Bilderhss. sind nicht wertlos.
Wenn in der Liegn. Hs. der Richter seinen Stuhl verlassen und den
Betreiber samt dem Anleiter zum Hause begleitet hat, wo er die
Einweisung beaufsichtigt, wenn ferner außer diesen dreien noch
zwei Personen zugegen sind, so wird dies Verfahren durch schrift-
liche Zeugnisse bestätigt. Ebenso wenn in der Görl. Hs. der Richter
die symbolische Handlung des Einweisens persönlich vornimmt.
S. Freiberg Stadtr. I 36, B ehrend, Stendaler Urtheilsb. 9 f.,
Eckert, Der Fronbote 53 Note 2, G.L.Maurer, Gesch. d. Ge-
richtsverfahrens 243 f. und vgl. die analogen Formen beim Aus-
pfänden, H.Planitz, Yermögensvollstreckg.l 467f., 479—483,
und bei Übereignung von Grundstücken, Weichb. XX 1, 2 nebst
Glosse. Es bestanden eben — die Quellen geben es uns auch zu
verstehen — in bezug auf das Verfahren lokale Verschiedenheiten.
Wenn in der Görl. Hs. der Eingewiesene den Türklopfer ergreift,
so wissen wir, daß ein entsprechender Brauch noch in neuerer
Zeit in Hamburg bestand, H. Reincke, Die Bilderhs. des Hamb.
Stadtr. 174, und die traditio per ostium et annulum (ostii exterio-
ris) bei der Immobiliar-Exekution zeigt uns eben diese Bilderhs.
fol. 86a (abgeb. a.a.O. Taf.VII und bei Lappenberg, Minia-
turen Taf. 6), wo so, wie spätere hamburgische Gesetze es wirk-
lich vorschreiben, der Vogt vor Zeugen den Türring ergriffen hat
um ihn der vor ihm stehenden Partei einzuhändigen (s. dazu
Lappenberg a. a. 0. 34f., J. Grimm, RAM 242). Dazu bietet die
Liegn. Hs. II 52, die von Weichb. XX geforderte gerichtliche Ein-

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