Eike <von Repgow>  ; Amira, Karl von [Hrsg.]
Die Dresdener Bilderhandschrift des Sachsenspiegels (Band 2) — Leipzig, 1925

Seite: 385
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har absiahen), einer Strafe, die zwar nicht von Haus aus germa-
nisch, sondern erst durch westgotische Vermittlung aus dem römi-
schen Recht in die andern germanischen Rechte eingeschleppt ist,
aber an rechts- und kulturgeschichtlicher Wichtigkeit darum nichts
eingebüßt hat. Der Tagdieb — als solchen gibt ihn die Sonne über
der Szene zu erkennen — steht fast gänzlich entkleidet an der
Staupsäule — stüpe (Haltaus, Gl. s.v. Staupe, Schiller-Lüb-
ben, Wb. s.v. Stupe, v. Richthofen, Altfries. Wb. s.v. stupa)
— gebunden (der Strick ist in D vergessen). Den Rücken des Sträf-
lings bearbeitet der Henker mit dem Reiserbesen (staupbesen),
sein Haar mit der Schere. Im wesentlichen so war es seit Resinn Beschre>-

bungen im

des Früh-MA. in Kapitularien vorgeschrieben: nudus ad palum Früh-MA.
vapulet et caput ejus tondeatur, Mon Germ. Capp. I 284 (s. auch
124, 336)1), nur daß damals noch die Hiebe in römisch-gotischer
Weise mit dem Stock (fustis) oder mit der Peitsche (flagellum)
verabreicht wurden, J. Grimm, RAMl 289, Capp. I 298 ipsae fla-
gellandae sunt, 335 flagelletur. Die Stockhiebe wurden 852 im west-
fränk. Reich ausdrücklich abgeschafft und durch die Schläge mit
Ruten (Resen) ersetzt: non cum grosso fuste, sed nudi cum virgis
vapulent, Capp. II 316 (s. auch 317, 318). Übrigens sieht man den
Reiserbesen schon im Psalterium von Utrecht fol. 14b in solcher
Anwendung. Die Verbindung von Resen (Rutenbündel) und Schere
bei Restrafung von kleinem Diebstahl s. im Landfrieden v. 1152:
scopis et forcipe excorietur et tondeatur2.

Näher beleuchtet wird alles dieses durch die graphischen Zeug-
nisse. Ich lasse die Ikonographie der Passion, die bei der unüber-
sehbaren Menge ihrer Monumente ein eigenes Kapitel ausmachen
würde3) beiseite, da die übrigen Relege ausreichen, und auch aus
den Martyrienstücken gebe ich nur eine Auswahl: dem 12. Jahrh.

') Vgl. auch Formulae 413: . . . nihil est nisi profundae humilitatis. Quod apparet in
his qui londentur ad palum.

2) Zu obigen Angaben s. noch Wilda, Strafr. 513, 514, H. Brunner, Deut. RGesch.
II 605—607, Osenbrüggen, Alam. Strafr. §44, R. His, Deut. Strafr. i. MA. I, Grupen,
Observ. 124—139.

3) Dazu s. E. GrSsy in den Mim. de la soc. des antiquaires de Fr. XXI (1852) 188.

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