Eike <von Repgow>  ; Amira, Karl von [Hrsg.]
Die Dresdener Bilderhandschrift des Sachsenspiegels (Band 2) — Leipzig, 1925

Seite: 439
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/amira1925bd2/0455
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
Die r. Bildhälfte gehört zu 88 2, 3, und zwar liegt hier die Ver- K'ase ge^n

° ° den hand-

derbnis, wie die Übereinstimmung von H und O dartut, auf Seite haften Dieb
von D. Ein handhafter Dieb wird gebunden vor Gericht gebracht,
und auf den Rücken gebunden ist ihm das gestohlene Kleidungs-
stück. Nur H und 0 geben die Figur richtig, D vernachlässigt sie
vollständig. Die Klage wird, wie es im Text steht, „mit Gerüft"
erhoben, weswegen der Kläger das entblößte Schwert über der
r. Achsel trägt (s. 113). Besonders deutlich erscheint er als
Gerüftkläger in O, wo man sein Geschrei so wie in O 32 a 1
(oben 279), 36 b 2 (oben 307), wTenn auch nicht hört, so doch
sieht. Vgl. Geneal. 371. Die Bewegung seiner 1. Hand paßt in D
und H besser zum Geschrei als in O. Seine „Schreileute" haben
wir uns hinzuzudenken! Das Aufbinden des gestohlenen Gutes
kam schon in 13 a 5 (oben 238) und 14 b 4 (oben 255) vor. Es ist
eine der in schriftlichen Quellen aller germanischen Rechte am
öftesten erwähnten Prozeßformalitäten. S. Dreyer, Nebenstun-
den 124, Kopp a. a. O. I 90, J. Grimm, .RA*II 195f., H. Brunner,
RGesch. II 484, F. Liebrecht, Zur Volkskunde 431 und dazu
Magdeb. Fragen III 1 c. 2 d. 1, Stendal Urtb. VI 1, Braunschw. Stat.
§ 28 (bei Gengier, Stadter. 38), Brünn. Schöffenb. 305, Steier-
märk. Ldr. 239, Ulm Stadtr. v. 1296 § 36 (Keutgen, Urk. 193),
Weist. II 380 Rechtsbronnen I 1 S.208, I 5 S. 197, I 7a S. 8, van
Mieris, Charterboek I 480, III 32, Noordewier, Regtsoudheden
285, Caesarius Heisterb. Dial. I 40, V 16, v. s. Hildegundis im
Neu. Aren. 1881 S. 518, Andr. Sunesson 85, Jydske Lov II 87,
Westgöta 1. I t>b. 3 (II feh. 24), Östg. 1. Vm. 32 § 1, Gulafcb. 253,
Frostufcb.XIV 12, Morkinskinna 173 (31) u.dgl.m. Bezüglich des
sächsischen Rechts im MA. aber s. unsbesondere Planck, Ge-
richtsverf.ini. Auf diese Weise wird der „blickende Schein"
hergestellt, womit der handhafte Missetäter verfolgt werden muß.
Man muß auch noch nach der Tat sehen, wie er das gestohlene
Gut mit sich fortträgt. Legte man mehr auf die Handtat Gewicht,
so band man ihm das gestohlene Gut in die Hände, und bei andern
Verbrechen empfahl sich diese Form des blickenden Scheins vor-

439
loading ...