Eike <von Repgow>  ; Amira, Karl von [Hrsg.]
Die Dresdener Bilderhandschrift des Sachsenspiegels (Band 2) — Leipzig, 1925

Seite: 482
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verfahren bei yor Qericht stehen einander gegenüber die beiden Parteien, iede

gleicher An- o o i

spräche der mit der gleichen Anzahl von Zeugen. Jede „behält" das Gut mit

Parteien um _ _ >

ein Grund- glichem gezage (über den tatsächlichen Besitz). In D, wo Figg. 1
und 6 die gleichen Farben tragen, scheinen diese beiden Figg. die
Parteien vorzustellen, wofern die Farbengleichheit die Gleichheit
der „Ansprache" ausdrücken soll. Die Schwurgebärden bekunden,
daß die Parteien ihre „Ansprache" mit Hilfe der Umsassen be-
schwören. Man beachte aber in D, wie Fig. 1 mit der 1. Hand rück-
wärts aus dem Bild hinausweist. Dies bezieht sich auf 39 b 1, wo
das "Verfahren bei mangelndem Umsassenzeugnis (§2) geschildert
wird. Mit der Trennungsgebärde {Handgeb. 222) teilt der Richter
das Gut unter die Parteien. In H ist die Trennungsgebärde zu sym-
metrischen Redegesten abgeschwächt. — Der Platz des Richters
in der Mitte zwischen den Parteien und etwa auch ihren Gehilfen
kommt im vorliegenden Bilderwerk oft so vor. S. D19a4, b 3,
23a5 (O40a3), 30a4, b 1, 50b 1 (=H24bl TB.XXVI10) und
insbesondere 19 b 4, wo die Funktion des Richters ähnlich wie
hier. Wahrscheinlich ist indes die Mittelstellung des Richters nicht
bloß subjektiv-symbolisch gemeint, sondern dem wirklichen
Rechtsbrauch entnommen, wie es auch von vornherein zu erwarten
wäre, daß vor dem Richter die Parteien einander gegenüberstehen.

39b (Taf. 78)

39b (Taf. 78) i. 1, Zu Ldr. III 21 § 2: Swer di meiste menie — als is ir si.

Farben: 1) Rock und Beinkl. grau; — 2) Rock grün-grau qua-
driert, Beinkl. gelb; — 3) Rock grau, Reinkl. rot; — 4) die Fig. un-
bemalt, die Wanne gelb, das Wasser grün; — 5) Rock grün, Beinkl.
gelb; — 6) Rock rot, Beinkl. graubraun. Bildbuchstabe S Mennig.

= W45bl. Abweichend H15bl (rZ>.XVII4, kleiner bei Fehr
Nr. 53): hier Fig. 1 mit Redegestus der 1. Hand, Fig. 2 mit dem 1.
Zeigefinger zu Boden deutend, Fig. 4 ein Geistlicher, der das eine
Ende des Seiles festhält. Ähnlich, doch im Gegensinn O 69 a 3:
hier streckt einer der Schwörenden den r. (=1.) Zeigefinger auf,
während er die andere Hand auf das Reliquiar legt. — Farben

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