Amsler und Ruthardt <Berlin>   [Hrsg.]
Katalog werthvoller und seltener Kupferstiche, Radirungen, Schabkunstblätter und Lithographien von alten und neuen Meistern: zumeist aus dem Nachlasse des zu Detmold verstorbenen Herrn Rechtsanwalt Runnenberg, darunter eine sehr reichhaltige Ridinger-Sammlung sowie aus dem selben Nachlasse die berühmte Johann Heinrich Ramberg-Sammlung ehemals im Besitze des Kammerherrn Wilhelm von Donop ; [Versteigerung zu Berlin, 12. März 1901 und folgende Tage] (Katalog Nr. 62) — Berlin, 1901

Seite: 104
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JOHANN HEINRICH RAMBERG.

Detailausführung im Figürlichem wie im Ornamentalen, und von graziösestem Formgefiihl im
Geiste des zierlich antikisirenden Zopf- und Empire-Stiles.

Die äusseren Lebensverhältnisse Ramberg's gestalteten sich unter der ständigen
Protection des Englisch-Hannoverschen Königshauses dauernd günstig. Nach einer von seinen
Gönnern ermöglichten grossen Studienreise in den Jahren 1788—1702 durch die Niederlande,
Deutschland, Oesterreich und Italien, während welcher 1701 in Venedig Denon's prächtig
radirtes, genialisch posirtes Jugendbildniss unseres Künstlers entstand (No. 1708 dieses
Katalogs) wurde er 1793 zum Hof- und Cabinetsmaler in Hannover ernannt, welche Stellung
er bis zu seinem daselbst in hohem Greisenalter erfolgten Tode beibehielt. „Sein Ruhm war
im Allgemeinen gross, und er würde ihm in der letzten Zeit seines Lebens sicher viel weniger
geschmälert worden sein, wenn er, von der jüngeren Generation überflügelt, seiner Thätigkeit
zur rechten Zeit ein freiwilliges Ende gesetzt hätte." (Magier im K.-L, B. 12, p. 276.) Jeden-
falls werden wir heute A Conze's hartes Urtheil über den „argen Maniristen und verkommenen
Taschenbuchverzierer" („Preuss. Jahrbücher" Juli 1870) energisch zurückweisen müssen und
uns eher der Anschauung J. Ch. C. Hoffmeister's anschliessen können, wenn dieser in der
biographisch-kritischen Einleitung zu seinem beschreibenden Verzeichniss der Werke Johann
Heinrich Ramberg's (Hannover 1877) die Behauptung aufstellt, dass Ramberg, wenn er selbst,
gleich Chodowiecki, eigentlicher Kupferstecher gewesen wäre, in der Kunstgeschichte seiner
Zeit sehr gross dastehen und vielleicht sogar seine grossen Vorgänger Hogarth und Chodo-
wiecki an Bedeutung überragen würde.

Die nachstehend verzeichneten Arbeilen Ramberg's sind nach dem obenerwähnten
Werkchen von J. Ch. C. Hoffmeister geordnet, soweit dieselben dem Autcr bekannt gewesen.
Die Original-Aquarelle und Handzeichnungen tragen fast ausnahmslos die Signaturen des
Künstlers und sind meist auch datirt. Die Erhaltung der P.lätter ist eine vortreffliche, wir
haben daher nur die wenigen geringen Mängel bei den betreffenden Nummern erwähnt.

ORIGINAL-ZEICHNUNGEN UND AQUARELLE
ORIGINAL-RADIRUNGEN UND STICHE NACH RAMBERG
VON HOFFMEISTER BESCHRIEBEN.

1708 Der Künstler selbst als Jüngling-. Kniestück. V. Denon ad vivum.
Venedig 1791. Radirt. kl. fol. H. pag. 9. — Aeusserst selten.

1709 Derselbe im reifen Mannesalter, Brustbild. kl. fol. — Geistreiche
Bleistiftzeichnung von A. Cleves.

1710 Derselbe im Alter von iünfundsiebzig Jahren, ebenso. Original-Litho-
graphie von Julius Gire. kl. fol. H. pag. 9. — Dabei das Grabmal
des Meisters auf dem Gartenkirchhof zu Hannover.

171 1 2 Blatt: Die beiden Schwestern des Künstlers, Friederike und Doris
Kamberg. 4. — Bleistiftzeichnungen.

1712 Rehearsal. Political Tragicomedy in Holland 1787. Original-Radirung.
gr. qu. fol. H. 3.

1713 Performance in Sept. and Oct. Political Tragicomedy in Holland 1787.
Ebenso, gr. qu. .fol. H. 4.

1714 Politics inside out a Farce. Ebenso, gr. qu. fol. H. 5.

17 15 The Dutch Patriot's Ascension. Military recreation in Holland. Ebenso,
gr. qu. fol. H. 7.

17 16 The Triumph. Satirisches Flugblatt auf den Sieg des Boxers Humphries
über den Juden Mendoza bei Odiham 1788. Ebenso. gr. qu. fol.
H. 9. — Sehr selten.

1717 The Embarkment. Bootfahrt auf der Themse, im Hintergrunde die
St. Paulskirche und Blackfriarsbridge. Scott sc. Punktirt. Oval
gr. qu. fol. H. 18. — Braun gedruckt. Wasserfleckig. Sehr selten.

1718 Good News. Wirtshausscene. Ogborne sc. Ebenso. qu. fol.
H. 19. — Ebenso selten.

Kupferstich-Auction LXII.
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