Amsler und Ruthardt <Berlin>   [Hrsg.]
Katalog sehr wertvoller und seltener Kupferstiche, Radierungen, Holzschnitte und Clairobscurs des XV. bis Ende des XIX. Jahrhunderts: darunter Dubletten des Hamburger Kunstvereins und der Kunsthalle in Bremen sowie ein prächtiges Rembrandt-Werk aus dem Besitze eines wohlbekannten ungarischen Kunstfreundes ; reichhaltige Werke und kostbare Blätter von Aldegrever, ... ; Originalradierungen neuer Meister, darunter Arbeiten von Adolph von Menzel, Max Klinger und vielen anderen ; Versteigerung 17. April 1905 und folgende Tage (Katalog Nr. 72) — Berlin, 1905

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In unserem Verlage erschien:

Holbein:
Erasmus von Rotterdam.

Farbenholzschnitt von A. KRUEGER
nach dem Gemälde Im Louvre zu Paris.

Bildgröße 38x31,5 cm............Mk. 60.—

Von diesem Blatte hat der Künstler eine kleine An-
zahl selbstgewählter Vorzugsdrucke handschriftlich
bezeichnet................ » 90.—

Schwarzer Kehlrahmen............ „ 12.—

Professor ALBERT KRUEGER hat mit diesem Holbeinschen
Erasmus - Porträt der glänzenden Reihe seiner Meister-
schöpfungen auf dem Gebiete der farbigen Holzschnittübertragung
klassischer Bildnismalereien ein neues Ruhmesblatt eingefügt.
Wie früher den Werken eines Lionardo, Bellini, Rubens, ist er
bei dieser seiner letzten Arbeit auch jenem Juwel deutscher
Renaissance-Bildniskunst mit schärfstem Künstlerauge nahegetreten
und hat sich mit ernster Liebe und feinsinnigem Nachempfinden
ganz in die Eigenart des köstlichen Originales versenkt. Besonders
glücklich war er in der Wiedergabe der äußerst feinen geistigen
Belebung und Individualisierung des Kopfes, die Holbeins Louvre-
Bildnis des großen Humanisten vor allen übrigen Erasmus-Porträts
auszeichnet und es zur typischen Verbildlichung des deutschen
Gelehrtentums xaz i£oxyv stempelt. Das Bild stellt den unsefähr
56jährigen, zu dieser Zeit in emsigem literarischen Schaffen in
Basel lebenden Philologen und Theologen in scharfer Profil-
stellung am Schreibpulte dar. Das Auge des durchgeistigten
Denkergesichtes, dessen Züge den Ausdruck vertiefter Gedanken-
sammlung zur Schau tragen, ist mit gesenktem Oberlide auf die
Niederschrift gerichtet, die unter den schlanken, fein modellierten
Gelehrtenhänden im Entstehen begriffen ist. Die eng geschlossenen
Lippen umspielt ein feiner Zug geistiger Überlegenheit und viel-
leicht auch leise pedantischer Ironie, die uns in dem hier bereits
alternden Gelehrten noch immer den Verfasser des „Encomium
Moriae" wieder erkennen läßt.

=z Siehe die umstehende Abbildung. -
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