Amsler und Ruthardt <Berlin>   [Hrsg.]
Katalog der bekannten und wertvollen Sammlung J. Aufseesser: Bildnisse und Darstellungen zur Geschichte von Brandenburg-Preußen, insbesondere Friedrich der Große und seine Zeit ; interessante und seltene Ansichten der königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam und der umliegenden Gegend zur Biedermeierzeit ... ; bedeutende und kostbare Blätter Berliner Künstler, darunter reiche Werke und Originalzeichnungen von D. Chodowiecki ... ; Versteigerung zu Berlin Montag, den 18. März 1912 und folgende Tage (Katalog Nr. 91) — Berlin, 1912

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DOI Seite: 10.11588/diglit.21037#0009
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dlich beginnt Berlin sich aus sich selbst zu besinneiu Die Stadt
die Iahrzehnte hindnrch so viel mit ihrer Gegenwart zu tnn hatte,
daß alle Läden mit der Geschichte ihres eigenen werdens zer-
schnitten schienen, erkennt mit wachsendem Entzücken den Zauber ihrer Ver-
gangenheit, die Feinheit und Geschlossenheit ihrer Rultur vor den nber-
lanten Zeiten des dlusschwungs (die wir gewiß nicht schmälen wollen), den
Reichtum an Kunst aller 2lrt, die damals als charaktervolles Gigengewächs
ans dem kargen Boden der Blark aufblnhte. Blehr noch als dnrch die neue
^eidenschaft der norddeutschen Runstforschnng, den vielfach noch verborge-
nen Gängen der hier auftanchenden jllrobleme nachzuspnren, wird diese
IDendung durch den lebhaften Austausch von Werken berlinischer Aunst
bestätigt, der plötzlich im I^andel und auf dem Auktionsmarkte eingesetzt hat.
Za, die Zahl der Bammler und gelegentlich kaufenden Liebhaber, die ihr
Angenmerk auf dies Bpezialgebiet richten, ist in wenigen Zahren so ge-
stiegen, daß der Borrat, der vor kurzem noch unerschöpflich schien, bereits
zusammenschrumpft. Die periode des enormen Angebots von Berolinensien
liegt hinter uns; schon treten wir in die der Nachfrage ein, und „nber ein
Aleines" werden vielleicht die (IZuellen versiegt sein, ans denen die Aanf-
lust bisher so mühelos schöpfte. Da kommt die Versteigernng der Bamm-
lung Aufseesser gerade recht, die mit ihren 2000 Nnmmern den gesamten
Umkreis der neugeweckten Znteressen umschreibt.

Die Gntstehung dieser Bammlnng ist bezeichnend genug: es ist ein
Büddeutscher, den hier der Fanatismus packte, möglichst alles Altberlinische,
was ihm begegnete, in seinen Besitz zu bringen. Wie in der heutigen
Berliner Gesellschaft der geborene Bpreeathener eine rnrn avis ist, so
besteht auch die Bonderzunft der Bammler, die sich in die Geschichte der
Btadt und ihrer Aunst einbohren, znm beträchtlichen Teil aus Nicht-
berlinern — anders als etwa in paris, in Mien, in den süd- und west-
deutschen Zentren, wo gerade die alteingesessene Bevölkerung in der jchlege

Nunst-Auktion X0I. — Amslcr X Rntbardt, Bcrlin IV. 8.
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