Amsler und Ruthardt <Berlin>   [Hrsg.]
Katalog der bekannten und wertvollen Sammlung J. Aufseesser: Bildnisse und Darstellungen zur Geschichte von Brandenburg-Preußen, insbesondere Friedrich der Große und seine Zeit ; interessante und seltene Ansichten der königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam und der umliegenden Gegend zur Biedermeierzeit ... ; bedeutende und kostbare Blätter Berliner Künstler, darunter reiche Werke und Originalzeichnungen von D. Chodowiecki ... ; Versteigerung zu Berlin Montag, den 18. März 1912 und folgende Tage (Katalog Nr. 91) — Berlin, 1912

Seite: V
DOI Seite: 10.11588/diglit.21037#0011
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Die Lpoche des Rokoko und des Rlassizismus — auch das uicht
oft vorkommeude Blatt des Frauzoseulagers bei Westend sf808) taucht
auf (Nr. 872) — wird abaelöst vom Biedermeiertum. Niemals habeu
die Stadt, ihre tbtraßeu, jOlätze, Bchmuckanlaaeu, Gebäude, ihre uähere
Umgebuug eine solche Auziehungskraft auf Zeichuer, Btecher uud
Lithographeu ausgeübt wie unter Friedrich wilhelm III., da Berliu ueu
erstaud. Durch bseiurich Lseiue wisseu wir, daß iu.au auch zwischeu (820
uud (830 die preußische Refideuz vielfach fchou ähulich auffaßte wie
heute: uicht eigeutlich als eiu Btadtiudividuum, soudern als eineu „Mrt, wo
viele Meuscheu wohneu" — eiu „Lsäuser-Agglomerat" sagteu die Däter
des „Wettbewerbs Groß-Berliu". Aber die bescheideueu uud redlicheu
Aünstler der Biedermeierzeit wußteu es besser uud hiuterließen uns iu
ihren munter belebten, aus liebevoller Anschauuug geboreueu, feiu er-
faßten uud mit volleudeter Akkuratesse ausgeführteu veduteu das unver-
gäugliche Dokumeut eiuer zierlicheu uud imposanteu Btadt, die sehr wohl
über eiue eigeue Seele verfügte. Die lhumoristika uud die Berie der
„Berliuer Redeusarteu", über die sich uoch der alte Goethe mit
Lckermauu amüsierte, tragen das ihrige dazu bei, das bodeustäudig
berliuische Weseu, desseu Gntwickluug uun ihreu l^öhepunkt und zugleich
ihre letzte Blüte erreichte, für alle Zukuuft zu kouterfeieu. Natürlich führt
auch bei Aufseesser Dörbeck deu lustigeu Reigeu, iu dem uebeu ihm
Franz Rrüger und Theodor l^osemauu, 2idolf Bchrödter uud Zulius
Bchoppe sich zum Worte meldeu. Biele dieser Bläiter siud schon sehr
selteu gewordeu (Nr. 873 ff).

Mehrere Souderproviuzen laden zum Besuch: Studeutika, Rlili-
taria und — ein wichtiges Rapitel für die Zeit der politischeu Staguatiou
iu den „dreiuuddreißig Zahreu" — Theatralia, ihrer Bedeutuug eut-
fprecheud besouders ausgestaltet. Auch dabei Rarissima, wie die Litho-
graphie (Nr. (2(0), auf der l)euriette Bontag uebst gräflichem Gatteu
mit dem „Rönigstädter" Terf uud dem Baukier Beer auftritt, oder das
graziöse Fauchoublatt (Nr. ((^(). Aus der Gruppe „Berliuer f)er-
söulichkeiteu" sei das auouyme Rouvivium der Brüder bsumboldt
herausgehoben (Nr. (2^7).

Der 5chwerpuukt der gauzeu Bammluug aber liegt iu der letzten
Abteiluug des Rataloges: „Berliuer Rüustler". Bie rückt eiue au
700 Nummeru umfassende Bchar vou Arbeiten eiuheimifcher Maler uud
Zeichuer aus der ersten Lsälfte des XIX. Zahrhuuderts zusammeu, die
wieder eiumal mit veruehmlicher Btimme für die charakteristischeu Tigeu-

Amrler L Ruthardt, Berlin 'VV. 8.
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