Amsler und Ruthardt <Berlin>   [Hrsg.]
Katalog der bekannten wertvollen Sammlung des verstorbenen Herrn Notars Dr. Weber, Hamburg und wenige kleine Beiträge: die graphischen Werke von Israe͏̈ls, Kalckreuth, Liebermann, Zorn in grosser Reichhaltigkeit darunter zahlreiche frühe Plattenzustände, Seltenheiten und Unika ; ferner schöne und seltene Blätter von Böhle, Corinth, Corot ... ; Versteigerung zu Berlin, Dienstag den 20. bis Donnerstag den 22. Mai 1913 (Katalog Nr. 95) — Berlin, 1913

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ALS EINFÜHRUNG

Durch das Hinscheiden des Notars Dr. David Friedrich Weber hat
Hamburg einen Sammler verloren, dem das Sammeln nicht nur ein
hoher Genuß, sondern auch eine ernste Aufgabe gewesen ist.

Zu Hamburg im Jahre 1863 geboren, gehörte er einer alten und
angesehenen Hamburgischen Familie an, die es ihm an Anregung in künstlerischer
Beziehung nicht fehlen ließ. Sein Vater hatte mannigfache Interessen und wirkte
belehrend und fördernd auf ihn. Sein Onkel war der durch seine hervorragende
Gemäldesammlung weit über die Grenzen Hamburgs hinaus bekannte Konsul
Herr Eduard F. Weber.

Verhältnismäßig spät, nicht sehr viele Jahre vor seinem Tode, begann er
seine Sammlung anzulegen. Eine angestrengte berufliche Tätigkeit hatte bis
dahin seine ganze Kraft erfordert; zu einer gründlichen Nebenbeschäftigung
fehlte ihm infolgedessen lange Zeit hindurch die Muße. Nachdem er aber einmal
angefangen hatte zu sammeln, hielt er es für seine Pflicht, durch die Lieblings-
beschäftigung seiner freien Stunden, nicht nur Zerstreuung und Freude, sondern
auch Belehrung und Förderung zu gewinnen. Überraschend schnell eignete er
sich durch seinen eisernen Fleiß und eine nie ermüdende Gründlichkeit eine
tüchtige Kennerschaft an. Die genaue Prüfung war ihm ein Vergnügen und es
lockte ihn, tiefer und tiefer in das Schaffen der Künstler einzudringen. Hieraus
erklärt sich die Eigentümlichkeit seiner Sammlung. Ihm genügte nicht der
einzelne Abdruck der Kupferplatte. Er wollte verfolgen, auf welchen Wegen
und mit welchen Mitteln der Künstler zum Endergebnisse seiner Arbeit gelangte.
Er erwarb daher, soweit er dazu die Gelegenheit hatte, von derselben Platte
viele, oft alle aufeinander folgenden verschiedenen Zustände. Der Vergleich dieser
einzelnen Zustandsdrucke war ihm stets eine reiche Quelle der Anregung, und
gern forderte er seine Freunde und Bekannten, die ihn abends nach getaner
Arbeit in seinem Bureau aufsuchten, zur Teilnahme an seinem Genießen auf. Es
war ihm dann eine ersichtliche F'reude, ihnen in liebenswürdigster Weise seine
Schätze vorzuzeigen und zu erklären, ohne Ermüden, so lange auch die Be-
sichtigung andauern mochte.

Leider hat plötzlich und unerwartet ein Sturz vom Pferde dem rastlos
Tätigen ein allzu frühes Ende bereitet.

Hamburg, März 1913.

Dr. G. Blohm.
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