Amsler und Ruthardt <Berlin>   [Hrsg.]
Aquarellen, Ölstudien, Handzeichnungen bedeutender Künstler meist des XIX.Jahrhunderts aus altem Berliner Privatbesitz: darunter reichhaltige Werke von Carl Blechen und Anselm Feuerbach ; ferner schöne und wertvolle Blätter von Buchhorn ... ; Kupferstiche, Radierungen, Holzschnitte, Lithographien und Werke von bekannten Künstlern derselben Zeit darunter eine reichhaltige Auswahl von Bildnissen und Darstellungen zur Geschichte von Brandenburg-Preussen, Alt-Berlin und Potsdam ; Versteigerung zu Berlin Dienstag den 28. bis Freitag den 31. Oktober 1913 (Katalog Nr. 96) — Berlin, 1913

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BIRMANN — BLECHEN

PETER BIRMANN

Er wurde 1758 zu Basel geboren, lernte 1771 bei dem Bildnismaler R. Huber d. J., lebte 1781 —1790
in Rom und malte dort Ansichten, welche von der englischen und römischen Aristokratie sehr gesucht
waren. 1790 kehrte er nach Basel zurück, betrieb dort eine von ihm gegründete Akademie und Kunst-
handlung mit gutem Erfolg und starb 1844 ebenda.

12 „Canaro et Isola de Re sul Lago Maggiore". Malerischer Blick auf den Lago Maggiore,
im Vordergründe mehrere Fischerboote. 50/68.

Ausgeführte Sepiazeichnung von bildmäßiger Wirkung. Voll bezeichnet und datiert.

CARL BLECHEN

Die Arbeiten Blechen’s, welche zu Lebzeiten des Künstlers sehr geschätzt wurden, waren längere
Zeit in Vergessenheit geraten und fanden erst in letzter Zeit wieder Liebhaber. Die nachstehenden kurzen
Notizen, welche wir den ausführlichen Berichten der Herren Custoden Dr. W. Kern und Professor Dr.
Lionel von Donop über Blechen’s Leben und Schaffen entnommen haben, würdigen die Bedeutung des
Künstlers.

Carl Eduard Ferdinand Heinrich Blechen wurde am 29. Juni 1798 zu Kottbus in der Niederlausitz
geboren. Sein Vater stammte aus Regensburg und bekleidete in Kottbus das Amt eines Steuereinnehmers,
seine Mutter Christine, geborene Happatz war von wendischer Herkunft. In diesem malerischen, an
geschichtlichen Erinnerungen reichen Städtchen, wuchs der Knabe Karl Blechen heran. Lfm ihm die
Anwartschaft auf eine höhere Laufbahn zu geben, ließ ihn der Vater das Lyzeum besuchen. In seinen
Freistunden beschäftigte sich der Knabe mit landschaftlichen Studien unter Leitung des Kottbuser Buch-
binders Lemmerich; auch der Prediger Happatz in Madelow bei Kottbus nahm sich seiner fördernd
an. Als er mit 16 Jahren das Lyzeum absolviert hatte, war er bei der Frage des zu erwählenden Berufes
unschlüssig. Bei der bedrängten Lage der Eltern entschloß man sich aber, ihn nach Berlin zu einem
Kaufmann in die Lehre zu geben. Er arbeitete zuerst als Lehrling im Bankgeschäft von Selchow & Co.
und bekleidete später, nachdem er inzwischen seiner Militärpflicht genügt hatte, den Vertrauensposten
eines Kassierers im Bankhause von A. Köhne. Während dieser Zeit kaufmännischer Tätigkeit widmete
er seine Freistunden der häuslichen Übung und benutzte hierzu sogar zuweilen die Nächte. Infolge
dieses ernsten Strebens gelang es ihm, sich durch Fürsprache eine Freistelle bei Professor P. Lütke an
der Akademie zu verschaffen. Die unterdrückte Neigung zur Kunst wurde aber bald so mächtig, daß
er den geschäftlichen Dienst nur noch als lästige Fessel fühlte und sich daher im August 1822 kurz ent-
schloß, seine sichere Stellung aufzugeben und in die von Gottfried Schadow geleitete Akademie
einzutreten.

Er arbeitete mit großem Eifer und fertigte zuerst Sepia- und Rötelzeichnungen nach Vorlagen
italienischer Landschaften. Anfang Juni 1823 unternahm der junge Landschaftsmaler auf Veranlassung
seines Lehrers eine Studienreise in die sächsische Schweiz und erhielt hierzu von Herrn Stadtrat David
Friedländer ein Empfehlungsschreiben an den in Dresden lebenden Landschaftsmaler Professor Chr.
CI. Dahl, wo er gastfreundliche Aufnahme fand. Er entfaltete eine emsige Tätigkeit und kehrte mit reichem
Studienmaterial heim, welches er für seine Ölbilder verwendete. Gegen Ende des Jahres 1824 ver-
heiratete er sich mit Henriette Boldt. Die Begründung des Hausstandes legte dem Künstler die Ver-
pflichtung des Verdienstes auf, den er zunächst als Dekorationsmaler suchte und auch bald finden sollte.

Im ersten Drittel des vorigen Jahrhunderts, während der Intendantur des kunstsinnigen Grafen
Brühl, stand die Theatermalerei in hohem Ansehen und Blechen besaß für dieses Spezialgebiet unver-
kennbare Begabung. Seine farbigen phantasievollen Entwürfe weckten Schinkel’s Interesse, welcher
den jungen Künstler dem Direktor des neugegründeten Königstädtischen Theaters empfahl, der gerade
einen tüchtigen Dekorateur suchte. Er bekleidete darauf diese Stellung seit der Eröffnung des Theaters
vom 4. August 1824 und erntete mit seinen Dekorationen beim Publikum großen Beifall. Infolge einer
Meinungsverschiedenheit zwischen ihm und der Sängerin Henriette Sontag fand diese Tätigkeit leider
ein plötzliches Ende, sodaß er diesen Posten am 20. April 1827 verließ.

Im Gegensatz zu dem nummerischen Verfahren der Dekorationsmalerei suchte Blechen seit dem
Jahre 1823, wenn auch nur vorübergehend, in der reizvollen intimen Technik der Radierung und der
Lithographie ein künstlerisches Gegengewicht. Diese graphischen Arbeiten blieben für ihn aber nur
Versuche und sind infolgedessen nicht zahlreich; bis jetzt sind nur drei Radierungen und zwölf Litho-
graphien bekannt geworden. Nebenher malte er auch zahlreiche Ölbilder, welche meist Landschaften
aus der nächsten Ümgebung Berlins darstellten. Dieselben fanden so großen Beifall, daß sie ihm den
Beinamen ,.Vater der märkischen Landschaftsmalerei” eintrugen.

Im Winter 1827 — 1828 bestimmten ihn A. von Humboldt’s Vorträge zu einer Studienreise nach
Italien, welche er im Frühjahr 1829 antrat und wozu ihm seine Frau einen Teil ihrer Ersparnisse opferte.
In Rom blieb er sechs Monate und hatte Gelegenheit, mit zahlreichen deutschen Künstlern zusammen-
zutreffen, darunter Führich, Riepenhausen, Schirmer, Genelli, Koch und Reinhart. Von
Rom ging er nach Neapel und kehrte Ende März 1829 dorthin zurück. Nachdem er noch einige Tage

Amsler & Ruthardt, Berlin W 8.
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