Amsler und Ruthardt <Berlin>   [Hrsg.]
Aquarellen, Ölstudien, Handzeichnungen bedeutender Künstler meist des XIX.Jahrhunderts aus altem Berliner Privatbesitz: darunter reichhaltige Werke von Carl Blechen und Anselm Feuerbach ; ferner schöne und wertvolle Blätter von Buchhorn ... ; Kupferstiche, Radierungen, Holzschnitte, Lithographien und Werke von bekannten Künstlern derselben Zeit darunter eine reichhaltige Auswahl von Bildnissen und Darstellungen zur Geschichte von Brandenburg-Preussen, Alt-Berlin und Potsdam ; Versteigerung zu Berlin Dienstag den 28. bis Freitag den 31. Oktober 1913 (Katalog Nr. 96) — Berlin, 1913

Seite: 19
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ANSELM FEUERBACH

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193 „Sokrates nimmt lächelnd den Giftbecher". Der Philosoph sitzt, nur mit einem Lenden-
schurz bekleidet, auf einem Schemel, zwischen seinen Beinen eine lange Pfeife und riecht
mit rümpfender Nase an einer Schale; um ihn tanzen drei Mäuse. 22,5/14,5.

Höchst komische Karikatur. Ausgeführte Federzeichnung. Bezeichnet „A. F.". Aufgezogen.

Diese wie die folgenden lustigen Gelegenheitszeichnungen, welche den Künstler von einer
wenig bekannten, humorvollen Seite zeigen, sind während seiner Wiener Tätigkeit entstanden.
Dort verkehrte er viel in ungezwungener Weise im Kreise seiner Schüler und anderer jüngerer
Künstler und weilte häufig unter ihnen bei ihren frohen Zusammenkünften im Cafe Schwarzen-
berg und beteiligte sich an ihren Scherzen, wobei er selbst sehr schalkhaft werden konnte.

194 Diogenes, einen großen Schirm unter dem Arm, schreitet suchend, beim Scheine seiner
Laterne. 16,5/11,2.

Ebenso. Ebenso. Unter der Dar-
stellung die Jahreszahl 1874 und
die handschriftlichen Worte des
Künstlers: ,, Diogenes auf der

Durchreise sucht in Berlin das
Reichstags gebäude“. Aufgezogen.

= Siehe die Abbildung-. =r.

195 Saul und David. Unter der Dar-

stellung die Worte: David sprach
„Wie haißt? Singen soll ich, und
er schmaißt!“ 20,2/12,3.

Federzeichnung aus demselben
Jahre. Ebenso.

196 Gott Vater mit der Weltkugel auf

Wolken sitzend, umgeben von
Engeln und Sternbildern, darunter
ein Orden des goldenen Fließes,
eine explodierende Sektflasche,
ein Sektglas und ein Korken-
zieher. 18,5/12,5.

Humorvolle Federzeichnung, dar-
unter die handschriftlichen Worte
des Künstlers: „Frage: „Warum
fühlt sich alles so unbefriedigt auf
dieser Erde? Antwort: Als Gott die
Welt erschuf, arbeitete er 6 Tage
lang, und am siebenten sprach er
„es ist gut". Wenn er nun gesagt
hätte „es ist nicht gut" so wäre er
genöthigt gewesen, noch sieben Tage
zu arbeiten, und es ist meine






No. 194.

innerste Überzeugung, daß wir sodann Alle besser daran wären". Aufgezogen.

197 Petrus begegnet auf der Flucht aus dem Gefängnisse dem Heiland und es entwickelt sich
folgendes Gespräch: Spricht der Heiland: „Wahrlich, wahrlich Peter du dienst meiner
Sache schlecht.“ Spricht Petrus: ,,Meister und Herr, reißt mich in Stücke, viertheilt mich,
kreuzigt, gillotinirt mich, aber in das Sauloch gehe ich nicht mehr zurück!“ 18,5/27.
Ebenso, darunter die handschriftlichen Worte des Künstlers.

198 Apostel Paulus vor seiner Staffelei sitzend, hinter ihm hängt ein Schwert an der Wand;
im Hintergründe eine Uhr, ein Revolver, zwei Schnapsflaschen und vier Mäuse als einzige
Hausgeräte. 24/19,6.

Humorvolle Karikatur in Feder und Tusche. Aufgezogen. Unter der Darstellung die handschrift-
liche Erklärung des Künstlers: „Der Apostel Paulus versucht in Griechenland das Christenthum

einzuführen, wird aber etliche male tüchtig gestäubt und ist schließlich genöthigt, sich auf Teppich-
stickerei zu werfen."

Ainsler & Ruthardt, Berlin W 8.

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