Amsler und Ruthardt <Berlin>   [Hrsg.]
Aquarellen, Ölstudien, Handzeichnungen bedeutender Künstler meist des XIX.Jahrhunderts aus altem Berliner Privatbesitz: darunter reichhaltige Werke von Carl Blechen und Anselm Feuerbach ; ferner schöne und wertvolle Blätter von Buchhorn ... ; Kupferstiche, Radierungen, Holzschnitte, Lithographien und Werke von bekannten Künstlern derselben Zeit darunter eine reichhaltige Auswahl von Bildnissen und Darstellungen zur Geschichte von Brandenburg-Preussen, Alt-Berlin und Potsdam ; Versteigerung zu Berlin Dienstag den 28. bis Freitag den 31. Oktober 1913 (Katalog Nr. 96) — Berlin, 1913

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FRIEDRICH GESELSCHAP

FRIEDRICH GESELSCHAP

Friedrich Geselschap wurde zu Wesel den 5. Mai 1835 geboren. Nach dem frühen Tode seiner
Eltern fand er Unterkunft bei Verwandten in Neiße und Breslau. Er benutzte seine Freistunden zum
Zeichnen und hatte große Freude beim Betrachten der Bildwerke der Großen Alten Meister. Als sein
künstlerischer Trieb erkannt wurde, gab ihm sein Gönner Kriegsrat Körte, der Vater des berühmten
Seniors der Berliner Ärzte, Geldmittel, damit er sich an der Kunstschule in Dresden weiterbilden konnte.
Als zwanzigjähriger Jüngling kam er nach Düsseldorf, um sich der Dekorationsmalerei zu widmen und
arbeitete zuerst unter Bendemann. Dieser erkannte schnell die hohe Begabung des jungen Künstlers
und beteiligte ihn bald an mancher Arbeit. Später schloß sich Geselschap mehr an Mintrop an.
Er lernte fleißig und es dauerte nicht lange, so wurden seine Arbeiten bewundert und gesucht. Im Jahre
1866 erhielt er den Auftrag nach Rom zu fahren, um Kopien nach Raffael’schen Werken auszuführen.
Er ging mit Feuereifer an die Ausführung dieses Auftrages und hatte während dieses Aufenthaltes oft
Gelegenheit mit den damals in Rom weilenden deutschen Künstlern zusammenzutreffen, darunter Franz
Dreber und Paul Mohn, mit denen er ganz besonders Freundschaft schloß. Im Jahre 1872 erhielt er den
ersten Auftrag, dem bald größere bald kleinere folgten, meist zur Ausschmückung von Privathäusern. Als
er im Jahre 1877 bei einem Wettbewerb zur Ausschmückung des Kaiserhauses zu Goslar den ersten Preis
und damit den Auftrag zur Ausführung erhielt, wurde sein Name bekannt. Diese erstere größere Auf-
gabe führte ihm bald weitere bedeutende Aufträge zu, wie z. B. die Ausmalung der Kuppel in der
Ruhmeshalle des Zeughauses, die Kartons zu den großen farbigen Glasfenstern in der Dankeskirche
zu Berlin, Wandgemälde im Reichstagsgebäude und in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. In den
Jahren 1896 bis 1897 erhielt er schließlich soviel Aufträge, daß er selbst oft daran zweifelte, diesen um-
fangreichen Arbeiten gewachsen zu sein. Unter diesen letzten Aufgaben beschäftigten ihn am meisten
die Ausschmückung des Saales im neuen Rathause zu Hamburg und der Friedenskirche zu Potsdam.
Mit größtem Eifer vertiefte er sich in die Bearbeitung dieser Pläne, wobei er durch sein schmerzhaftes
Beinleiden zuweilen sehr behindert wurde und häufig mußte er wahrnehmen, daß seine physische Kraft
mit dem schnellen Fluge seines Geistes nicht Schritt halten konnte. Nachdem er die Entwürfe für
Hamburg noch rechtzeitig fertigstellen und einsenden konnte, mußte er auf Anraten eines Arztes
längere Zeit ausruhen und ging zur Erholung nach Positano, wo er bis Anfang Mai 1898 blieb. Nach
Rom zurückgekehrt, begann er sogleich die angefangenen Arbeiten für die Friedenskirche fortzuführen.
Er hing so sehr an der Ausführung dieses Planes, daß er denVersuch machte, die Bilder mit Hilfe fremder
Hände auf Leinewand zu malen. Obgleich diese Probearbeiten von tüchtigen Gehilfen ausgeführt wurden,
erkannte er doch sogleich, daß er auf diesem Wege nicht sein Ziel erreichen konnte und daß er nach
Potsdam fahren müsse, um die Bilder direkt auf die Wand zu malen. Es war ihm leider nicht vergönnt,
seine Lieblingsaufgabe ausführen zu können. Sein Beinleiden plagte ihn wieder heftig und lähmte seine
Lebensfreude und Schaffenslust. Am 30. Mai 1898 starb er eines freiwilligen Todes.

215 Lebensgroßer Kopf eines jungen Mädchens im Profil nach rechts. 42/30.

Vorzügliche Jugendarbeit des Künstlers. Bildmäßig ausgeführte Kreidezeichnung, auf Tonpapier.

Voll bezeichnet und datiert ,,F. Geselschap Dresden 1852“.

216 Bildnis eines Utrechter Kanonikus. Skizze nach dem Gemälde von Anton Mor in der

Dresdener Galerie. 23/21.

Interessante Jugendarbeit des Künstlers. Ausgeführte Bleistiftzeichnung, auf Tonpapier. Datiert

,.Dresden den 4. Oct. 1860“.

217 Christus erweckt den Jüngling zu Nain. Figurenreiche Darstellung. Entwurf für das

Wandgemälde in der Friedenskirche zu Potsdam. 23,5/35,5.

Prachtvolle, sorgfältig ausgeführte Zeichnung in schwarzer und weißer Kreide, auf Tonpapier.

Unter der Darstellung drei kleine Skizzen ebendazu. Unter Passepartout. Mit dem Nachlaß-
stempel.

- Siehe die Abbildung auf Tafel XI. -

218 Studie zur Kreuztragung in der Friedenskirche zu Potsdam. 14,6/31,2.

Schöne Studie in schwarzer und weißer Kreide, auf Tonpapier. Mit dem Nachlaßstempel. Unter

Passepartout.

219 Eine Walküre zu Pferde einen berittenen Elelden zur Walhalla geleitend. Früher Entwurf

zu dem Gemälde „Walhalla“ in der Ruhmeshalle. 22/31,5.

Bleistift auf Pausepapier. Aufgezogen. Mit dem Nachlaßstempel.

220 Der Kampf der Elemente. Allegorische Darstellung. 16,3/22.

Bleistift und Tusche. Bezeichnet „Die Elemente".

Kunst-Auktion XCVI.
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