Amsler und Ruthardt <Berlin>   [Hrsg.]
Kupferstiche, Radierungen, Holzschnitte, Lithographien, Werke älterer und neuer Künstler mit geringen Ausnahmen: Dubletten des Kupferstich-Kabinetts der Staatlichen Museen in Berlin ; schöne Städteansichten, Bildnisse bekannter Persönlichkeiten ... ; Versteigerung zu Berlin: 23. März 1920 und folgende Tage — Berlin, 1920

Seite: 7
DOI Seite: 10.11588/diglit.23046#0009
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verschwinden, hat Krüger das lachende Auge für den Humor der Straße, und
was von seiner Hand, farbig gedruckt, im Institut Winckelmann u. Söhne,
von George Gropius verlegt, an drolligen Alltagsvorgängen erschienen ist,
gehört zu den begehrtesten Dokumenten des Altberliner Humors.

An Fruchtbarkeit und starker Stilkraft kommt auf freilich beschränkterem
Gebiete neben Krüger nur noch Th. Hosemann in Betracht. Er ist
für die Biedermeierzeit ungefähr das, was Chodowiecki für die Zeit des
friderizianischen Zopfes war: der beliebte Illustrator. Als solchen lehrt
ihn diese Sammlung vorzüglich kennen. E. T. A. Hoffmann, Eugene Sue,
Arndt, Brennglas, Jeremias Gotthelf, Gustav Nieritz, was damals in Salon
und Kinderstube, von der Prinzessin bis zur kleinen Näherin, vom Geheim-
rat bis zum Kesselschmied gelesen wurde, hat er mit Federlithographien
illustriert. Interessant sind auch seine „Hilfsblätter für Illustrateure“, die
gleichsam das Vokabularium dieser Kunst enthalten.. Wie zierlich und
geistreich sind seine Festkarten, wie atmet das alles Behagen, gute Laune,
die Reize feingeistiger Geselligkeit!

Neben und zwischen diesen beiden Künstlerpersönlichkeiten tummelt sich
die Schar der kleineren Talente, die bald mehr an den einen, bald mehr an
den anderen erinnern. So der Jagd-Schulz mit seinen Tierdarstellun-
gen, Sonntagsjägern und Jagdunfällen an Franz Krüger, wobei er aber
noch als empfindungsvoller Landschafter über Krüger hinausgeht, so
Ludwig Löffler und Adolph Schroedter, der „Meister mit
dem Korkenzieher“, die beide in Hosemanns Art und Richtung tätig sind.

Einer jedoch ragt über sie alle hinaus und sprengt den Rahmen lokaler
Begrenztheit und lokaler Bedeutung: Adolph Menzel. Von seinem
graphischen Werke wird nur ein Ausschnitt geboten, aber schon diese
Proben erweisen die Vielseitigkeit, den Reichtum und die Grazie seiner
Phantasie, die Kühnheit seines technischen Könnens. Man sieht Blätter seines
Jugendwerkes, der „Denkwürdigkeiten aus der Brandenburgisch-Preußischen
Geschichte“, in denen er die Fülle des Stoffes nur erst mit Anstrengung
bändigt, dann aber, zehn Jahre später, erblickt man ihn mit den Illustrationen
zur Fürstenausgabe der Werke Friedrich des Großen in der unbehinderten
Freiheit seines Geistes, seines Witzes, seiner epigrammatischen Schlagfertig-
keit. Wie hoch er über allen stand, zugleich aber auch wie einsam in seiner
Umgebung, lehren am besten die Proben aus seinem graphischen Meister-
werk, den „Versuchen auf Stein mit Pinsel und Schabeisen“, in denen eine
von Grund aus malerische Vorstellungskraft sich das adäquate technische
Ausdrucksmittel geschaffen hat. Dazwischen kleine geistvolle Gelegenheits-
schöpfungen, wie das Diplom für den Potsdamer Kunstverein, die Festkarte
zum 50jährigen Künstlerjubiläum des „Altgesellen“ Gottfried Schadow.

Und um all diese Künstler herum baut sich nun in einer reichen, ge-
sonderten Abteilung, darin manche Seltenheit überrascht, das alte Berlin vor
unseren Augen auf, diese Stadt, deren feine architektonische Reize heute fast
verwischt sind, deren Eigenart, ein Gemisch von scharfer Geistigkeit und
behäbigem Spießbürgertum, gerade in der Biedermeierzeit sie zu einer Stadt-
individualität gehöht hat. Mag immerhin das Einzelne hier und da nüchtern
und trocken erscheinen, das Ganze bezaubert doch, weil es von einer ein-
heitlichen Empfindung durchströmt ist. Aus der noch etwas ängstlich ge-
treuen Vedute, wie sie die Catel, S'errurier, Calau, Haas in
sauberer Stichelarbeit, vielfach farbig geschmückt, darbieten, entwickelt sich
unter den Händen der Lithographen eine mehr malerische Auffassung und
Darstellung. Die stärkste Künstlerpersönlichkeit auf diesem Gebiete ist
Eduard Gaertner, von dessen seltenen, im Halbrund geschlossenen,
artig kolorierten Blättchen hier eine hübsche Auslese vorhanden ist. Malerisch
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