Amsler und Ruthardt <Berlin>   [Hrsg.]
Künstlerischer Nachlass des Herrn Justizrats Johannes Maximus Mosse - Berlin: Originalwerke und das graphische Werk von Karl Stauffer-Bern ; daran anschließend schöne und seltene Originalgraphik von Künstlern unserer Zeit aus verschiedenem Besitz, darunter reiche Werke und seltene frühe Plattenzustände und Probedrucke von Carriére, Daumier, Doré ... ; Versteigerung zu Berlin, 27. Oktober 1920 und folgende Tage (Katalog Nr. 100) — Berlin, 1920

Seite: 5
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/amsler_ruthardt1920_10_27/0007
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
ZUR EINFÜHRUNG

Vierzig Jahre sind es her, daß Karl Stauffer-Bern
nach Berlin kam. Als Dreiundzwanzigjähriger. Und in diese
Berliner Zeit, die bis 1888 reichte, fiel die Entstehung und
Vollendung seines graphischen Werkes, das seinen Namen un-
sterblich macht. Berlin hat ihm viel gegeben: es feierte ihn als
Maler-Porträtisten, es schuf ihm einen Kreis von Freunden, die
ihm über das Grab hinaus die Treue bewahrten. Als Stauffer
nach den tragischen Erlebnissen mit Lydia Escher 1891 die Augen
schloß, sammelte Otto Brahm, der unvergeßliche, die Briefe des
Künstlers, und Johannes Maximus Mosse, den Stauffer zu seinen
intimsten Freunden zählte, hegte und pflegte die graphischen
Blätter des so jung verstorbenen Meisters in liebevollem Gedenken.

Nun ist auch schon Justizrat Johannes Maximus
Mosse unter den Toten. Wenn man jetzt die Mappen durch-
blättert, die seinen Nachlaß bergen, packt uns aufs neue die
künstlerische Urkraft des Staufferschen Schaffens. Aber im
Mosseschen Nachlaß befinden sich nicht bloß 25 Radierungen
Stauffers, sondern auch die Ölbilder des Künstlers und sein
Selbstbildnis in schwarzer Kreide, das die Widmung trägt: „S. 1.
Max Mosse zum Geburtstage 12. Nov. 1884." Und seinen Freund
Mosse selbst hatte er schon 1881 gemalt. Dieses längst gewertete
Bild ist eins der stärksten Bekenntnisse Staufferscher Porträtierungs-
kunst. Mit Leibischem Feingefühl geht hier der Schweizer, der
sich an Holbein geschult hat, allen Einzelheiten des äußeren und
des inneren Menschen nach. Und gerade diesem Bildnisse seines
Freundes kann man die Worte zubilligen, die Stauffer im Jahre
1887 niederschrieb: „Ich verlange von einem Kunstwerk, daß es
zum Beschauer spreche, es muß irgendetwas sagen".

Neben dem Mosse-Porträt erscheint hier unter den Ölbildern
Stauffers ein Brustbild des Bildhauers Nicolaus Geyger, 1880 ge-
malt, und dann noch ein etwas münchnerich empfundener Damen-
kopf, dessen schwarzes Haar sich wirkungsvoll abhebt von dem

5
loading ...