Amsler und Ruthardt <Berlin>   [Hrsg.]
Künstlerischer Nachlass des Herrn Justizrats Johannes Maximus Mosse - Berlin: Originalwerke und das graphische Werk von Karl Stauffer-Bern ; daran anschließend schöne und seltene Originalgraphik von Künstlern unserer Zeit aus verschiedenem Besitz, darunter reiche Werke und seltene frühe Plattenzustände und Probedrucke von Carriére, Daumier, Doré ... ; Versteigerung zu Berlin, 27. Oktober 1920 und folgende Tage (Katalog Nr. 100) — Berlin, 1920

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lichten Hintergrund. Das schon erwähnte Selbstbildnis Stauffers
in Kreide ähnelt dem radierten Selbstbildnis von 1885 (Lehrs 7).

Das graphische Werk Karl Stauffer - Bern, das wir im
Mosseschen Nachlasse sehen, setzt sich ausschließlich aus frühen
und seltenen Drucken zusammen, die auch Max Lehrs in seinem
grundlegenden Stauffer-Buch vermerkt. Der Dresdner Kenner
schätzt übrigens den Künstler außerordentlich ein, indem er meint,
daß Stauffer die Belebung des Porträtstichs in so hohem Maße
gelungen sei, „daß man schon auf Dürer und Lucas van Leyden
zurückgreifen müsse, um den Maßstab für seine besten Werke
zu finden".

Unter diesen besten Werken der Stauffer-Sammlung Mosse
steht in erster Reihe das Blatt „Meine Mutter", dann der „liegende
weibliche Akt" (mit einer Dedikation Stauffers an seinen Freund
Mosse), dann sein Gottfried Keller, sein Conrad Ferdinand Meyer,
sein „Gustav Freytag im Garten", „ruhig, glücklich", „im länd-
lichen Frieden", wie Otto Brahm ihn beschrieb. Und dann ist
sein Menzel da in zwei verschiedenen Exemplaren — er hatte
mit ihm, so versichert er 1886, „miserable Geschäfte gemacht —
und sein Freund Peter Halm, dem er die Anregung zum Radieren
verdankt und die Anleitung in der Technik dieser Kunst, die er in
einem Briefe an Lydia (1886) das „herrlichste und künstlerischste
aller malerischen (einfarbigen) Ausdrucksmittel" nennt.

Auch das berühmte Blatt „Die Zwanglosen" ist vorhanden,
mit der lorbeerbekränzten Büste Brahms, um die sich die leben-
digen Köpfe Schienthers und Brahms, Hertzens und Stanges
zwanglos gruppieren. „Selber gedruckt. Probedruck", heißt es
am Rande dieses kostbaren Blattes. Es folgen nun der kleine
„Kavalier im Kostüm des 18. Jahrhunderts" — der „Kavalier"
kommt überhaupt nur noch bei Halm vor — ferner die Ätzprobe
der kleinen Landschaft, das bekannte Bildnis der Eva Dohm usw.
Aber der Bearbeiter des Katalogs hat alle diese Seltenheiten des
Stauffer-Werkes genau nach Lehrs verzeichnet. Auf die Fest-
stellung der Druckschönheiten konnte man verzichten. Diese
Blätter waren ja direkt aus der Hand des Meisters in die des
Berliner Freundes übergegangen.

Im Anschlüsse an den Nachlaß Mosse wird eine sehr ge-
wählte Graphik-Serie (aus verschiedenem Besitz) ausgeboten.
Vorwiegend 19. Jahrhundert. Zu G£ricault und Isabey ge-
sellen sich Gavarni und Daumier. Daumier ist mit 129

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